Sport : US Open auf Russisch

Dementjewa und Kusnezowa stehen im Finale

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New York – Im Halbfinale haben wieder ein paar Zuschauer über Jelena Dementjewa gelacht. So langsam und ängstlich schickte sie ihren zweiten Aufschlag über das Netz, dass man glaubte, einer Anfängerin beim Üben zuzuschauen. Und nicht einem Tennisprofi bei den US Open. Lediglich 96 km/h langsam tropften ihre Aufschläge hinter dem Netz auf. Zum Vergleich: Der Service von Serena Williams ist gelegentlich schneller als 200 km/h. Doch als das Halbfinale beendet war, lachte niemand mehr über die Russin.

Spätestens seit diesem Jahr empfiehlt es sich, die Russinnen im Tenniszirkus sehr ernst zu nehmen. Die US Open sind bereits das dritte Grand Slam Turnier in Folge, das eine Russin gewinnt: Jelena Dementjewa oder Svetlana Kusnezowa (bei Redaktionsschluss nicht beendet). In Wimbledon hatte Maria Scharapowa gesiegt. Und bei den French Open gewann Anastasia Myskina. Im Finale bezwang sie ihre Landsfrau Jelena Dementjewa, die nun in New York eine zweite Chance auf einen Erfolg bei einem Grand Slam Turnier hatte. Die Russinnen dominieren das Frauentennis.

„Ich denke, sie sind einfach sehr hungrig zu spielen, und es gibt einfach so viele von ihnen“, sagte Jennifer Capriati. „Und es gibt auch ein paar gute – ich meine, alle von ihnen sind gut.“ Das bekam die US-Amerikanerin im Halbfinale gegen Dementjewa zu spüren. In nur 17 Minuten gab sie den ersten Satz mit 0:6 ab. Im zweiten Satz kämpfte sich Jennifer Capriati noch einmal mit 6:2 zurück, ehe sie im dramatischen dritten mit 6:7 verlor. Dabei hatte die US-Amerikanerin bei eigenem Aufschlag einen Matchball, den sie aber nicht nutzen konnte. Im zweiten Halbfinale profitierte Svetlana Kusnezowa von einer Verletzung der US-Amerikanerin Lindsay Davenport und gewann mit 1:6, 6:2, 6:4.

Der Fernsehsender CBS sorgte sich vor den beiden Finalspielen um die Einschaltquoten. Durch das Ausscheiden der US-Amerikanerinnen im Halbfinale steht erstmals seit 1988 kein Einheimischer im Finale. Titelverteidiger Andy Roddick ist überraschend im Viertelfinale am Schweden Joachim Johansson gescheitert. Hinzu kommt, dass eine russische Meisterschaft in den USA nicht so viele Zuschauer interessieren dürfte. „Erbarmen, die Russen kommen“, sagte der Moderator.

Unter den ersten zehn der Weltrangliste befinden sich mittlerweile fünf Russinnen. „Es geht wohl in Zukunft dahin, dass es künftig mindestens eine Russin bis ins Halbfinale schaffen wird“, stellte Capriati ganz nüchtern fest. Tsp

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