US Open : Lisicki knickt um und scheidet aus

Sabine Lisicki verletzte sich beim Matchball von Anastasia Rodionova. Sie verlor das Zweitrundenmatch und wurde im Rollstuhl vom Platz gefahren. Die Berlinerin hatte zuvor zwei Matchbälle vergeben.

Anke Myrrhe[New York]
US Open - Sabine Lisicki
Aus in Runde zwei. Sabine Lisicki vergab zwei Matchbälle.Foto: dpa

Das Schluchzen von Sabine Lisicki war bis auf die hinteren Ränge zu hören. Niemand der Zuschauer auf dem Court 11 traute sich, offene Freude darüber zu zeigen, dass Anastasia Rodionova gerade ihren Matchball gegen die Berlinerin verwandelt hatte. Beim Stand von 3:6, 6:3, 5:6 und Vorteil Rodionova rannte Sabine Lisicki an der Grundlinie von einer Seite auf die andere, verteidigte gut. Als die 19-Jährige jedoch einen Cross-Ball der Australierin gerade noch so mit der Vorhand erreichte und übers Netz spielte, knickte sie mit dem linken Fuß um. Ein kurzer Schmerzensschrei, dann blieb sie weinend auf dem Hartplatz liegen. Rodionova musste den Ball nur noch ins Feld schieben, um als Siegerin den Platz zu verlassen.

Sie weinte und winkte

Mehr als zehn Minuten lag Lisicki auf dem Platz. Ihr Vater und Trainer Richard Lisicki brachte Eisbeutel, bis eine Ärztin eintraf und sie noch auf dem Platz behandelte. Der Schwede Robin Söderling und Marcel Granollers aus Spanien standen schon ungeduldig zu ihrem Zweitrundenmatch bereit. Schließlich wurde sie mit einem Rollstuhl weggeschoben – unter dem anerkennenden Applaus der rund 2000 Zuschauer. Sie winkte kurz und versuchte ein Lächeln. „Natürlich bin ich sehr enttäuscht“, ließ Lisicki später mitteilen. „Ich war so nah dran, dieses Match zu gewinnen und nun auch noch mit dieser Verletzung klarzukommen, ist keine Freude.“ Beim Röntgen im Krankenhaus wurde festgesellt, dass der Fuß wohl lediglich verstaucht ist.

Das Umknicken war der tragische Schlusspunkt eines dramatischen Matches, das die Deutsche recht schlecht begann. Gegen die Nummer 139 der Welt verlor sie den ersten Satz ziemlich deutlich und lag im zweiten schnell 0:3 zurück. Zu viele Fehler machte Lisicki und haderte, wie schon bei ihrem Auftaktmatch gegen die Französin Aravane Rezai mit ihrem Aufschlag, den sie aufgrund einer Schulterverletzung erst kürzlich hatte verändern müssen. „So ist mein Aufschlag nicht mehr die Waffe, die er sonst war“, hatte die Weltranglisten-25. nach ihrem Erstrundensieg gesagt. Zehn Doppelfehler unterliefen ihr auch gegen Rodionova. Vor allem aber ihre Körpersprache war zu Beginn des Matches schlecht, nur ein leises „komm jetzt“ war ein paar Mal von ihr zu hören.
Doch als die Berlinerin schon fast verloren hatte, begann sie noch einmal zu kämpfen. Sie gewann sechs Spiele in Folge, holte sich den zweiten Durchgang und war auch im dritten klar die bessere Spielerin. Beim Stand von 5:3 hatte sie schließlich sogar zwei Matchbälle, die sie leichtfertig vergab. Anastasia Rodiniova nutzte die Schwächephase der Deutschen gnadenlos aus und zog wieder vorbei. Lisicki hatte noch einen Spielball zum 6:6, sie nutzte ihn erneut nicht und sah sich schließlich ihrerseits zwei Matchbällen gegenüber.

Erst Schulter, nun Knöchel

Dass sich Sabine Lisicki dann auch noch verletzte, ist bitter: Nicht so sehr, weil sie nun wie im vergangenen Jahr bereits in der zweiten Runde der US Open scheiterte. Das Match hätte sie wohl ohnehin verloren. Viel schlimmer ist, dass es die zweite Verletzung innerhalb kürzester Zeit ist: Sie kämpft noch mit den Folgen ihrer Schulterprobleme, deretwegen sie unmittelbar vor den US Open zwei Wochen pausiert hatte. Nun wirft sie eine weitere Blessur zurück und könnte ihren Aufstieg erneut bremsen. Doch Lisicki ließ aus dem Krankenhaus verkünden: „Ich bin eine Kämpferin und ich werde sehr hart daran arbeiten, um so schnell wie möglich zurück auf dem Platz zu sein.“

Gute Besserung wünschte ihr wenig später Philipp Kohlschreiber, nachdem er den Inder Somdev Devvarman 6:3, 6:4, 0:6, 6:2 besiegt hatte. „Da zuckt jeder Spieler unmittelbar zusammen“, sagte der Augsburger. „Ich hoffe, dass es nichts Schlimmes ist, und wir im nächsten Jahr wieder gemeinsam den Hopman-Cup spielen können.“ Glatt verlief auch der Auftritt von Thomas Haas der Robert Kendrick aus den USA 6:4, 6:4 und 7:6 (7:3) besiegte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar