USA - China 101:70 : Das meistgesehene Basketballspiel aller Zeiten

Eine Milliarde Zuschauer soll rund um die Welt vor den Fernsehern gesessen haben. Dazu 18000 in der Pekinger Arena, die beide Basketballteams feierten und einen 101:70-Sieg der amerikanischen NBA-Stars über Gastgeber China sahen. Dabei auch George W. Bush.

Benedikt Voigt[Peking]
Peking 2008 - Basketball
Da staunt der Gegner. Dwayne Wade beim Dunking.Foto: dpa

Es ist voll geworden, um kurz nach 22 Uhr in der Wukesong-Arena an der westlichen vierten Ringstraße. Mehr als 18000 Zuschauer füllten die Basketballhalle über den letzten Platz hinaus. Einige Chinesen teilten sich eine Sitzschale, wer keinen Sitzplatz mehr fand, musste sich mit Hunderten anderer Fans in drei Reihen hinter einem Absperrgitter drängeln. Manche Journalisten besetzten schon seit Vormittag ihre Sitze. US-Präsident George W. Bush musste sich hingegen keine Sorgen um seinen Platz machen. Auch er wollte unbedingt bei jenem Spiel dabei sein, das den ersten sportlichen Höhepunkt der Olympischen Spiele von Peking bildete.

„Es ist eine Ehre, in diesem historischen Spiel dabei gewesen zu sein", sagte der US-amerikanische Trainer Mike Krzyzewski, „es war das meistgesehene Spiel aller Zeiten". Eine Milliarde Zuschauer sollen vor dem Fernseher gesessen haben, als die USA 101:70 (49:37) über China gewannen. Dwayne Wade (19 Punkte) und LeBron James (18 Punkte) waren die besten Werfer des Spiels. Trotz der Niederlage bejubelten die chinesischen Zuschauer in der Halle jeden Korb auf beiden Seiten. Lediglich bei Freiwürfen wurden die US-Amerikaner ausgepfiffen, ansonsten zeigte sich die riesige Bewunderung, die Chinas Sportfans gegenüber den US-Stars hegen.

Kobe Bryant, der 13 Punkte erzielte, erhielt sogar noch größeren Jubel als Chinas Volksheld Yao Ming. „Es war psychologisch nicht einfach", sagte Chinas Trainer Jonas Kazlauskas, „einige US-Spieler sind die Vorbilder meiner Spieler". Basketball ist in China die beliebteste Zuschauersportart, im Gegensatz zum Fußball hat China mit den beiden NBA-Spielern Yao Ming und Yi Jianlian auch eine Mannschaft, die mit der Weltspitze mithalten kann.

OLY-2008-BASKETBALL-USA-CHN-PEOPLE
Präsidial aufgewärmt. Basketballer und Bush.Foto: AFP

Fast nur mit spektakulären Dunkings gepunktet



Das zeigte sich in der ersten Halbzeit, als das Team des Litauers Kazlauskas das Spiel bis Mitte des zweiten Viertels (29:29) offen halten konnte. Die Chinesen setzten gegen die physisch überlegenen Amerikaner vor allem auf Dreipunktewürfe. Zur Halbzeit hatten sie acht getroffen. Die US-Amerikaner hingegen verlegten sich auf Schnellangriffe, angetrieben von Chris Paul, Dwyane Wade oder Kobe Bryant. Dank ihrer körperlichen Überlegenheit punkteten sie fast nur mit spektakulären Dunkings, sehr zur Freude des Publikums.

Als Show wollte Trainer Krzyzewski die Dunkings nicht bewerten, er sagte: „Wenn ein 2,29 Meter großer Spieler wie Yao Ming gegen uns spielt, dann muss man hart zum Korb gehen, sonst wird man geblockt." Der chinesische Centerspieler konnte sich allerdings in der Offensive nicht oft in Szene setzen. Die US-Verteidiger verhinderten geschickt, dass er unter dem Korb angespielt werden konnte. Als er unter großem Beifall aus dem Spiel genommen wurde, hatte er 13 Punkte erzielt.

In der ersten Halbzeit hatten die US-Amerikaner nur einen von zwölf Dreiern getroffen. Erst als das Spiel gelaufen war, stieg die Quote. Eine Schwäche, die stärkere Mannschaften wie Weltmeister Spanien gegen die USA ausnutzen könnten. Beide Teams sind nach dem ersten Spieltag Goldfavoriten, China hingegen kämpft mit Deutschland und Griechenland um Platz vier der Gruppe und damit den Einzug ins Viertelfinale.

Die zweite Halbzeit war bedeutungslos und diente vor allem der Unterhaltung der Zuschauer. Und einem höherem Zweck. Der amerikanische Trainer Mike Krzyzewski hatte im Vorfeld darauf hingewiesen, welche Leistung das Dream Team der USA 1992 für den Basketballsport erbracht hat. „Damals saßen Jungs vor dem Fernseher, die hießen Dirk Nowitzki, Pau Gasol oder Manu Ginobili", sagte er, „heute spielen sie hier bei Olympia". Gut möglich also, dass einige Olympiateilnehmer des Jahres 2024 das Spiel am Sonntagabend auch gesehen haben. Es dürften Chinesen gewesen sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben