Usain Bolt siegt im 100-Meter-Finale : Der Beherrscher des Sprints

Wie schon 2008 und 2012: Der Sprint der Männer wird erneut zur Bolt-Show, der Jamaikaner gewinnt seine insgesamt siebte Goldmedaille - aber das soll es noch nicht gewesen sein.

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Der Schnellste: Usain Bolt dominiert weiterhin die Sprinter-Szene. Foto: Dylan Martinez/Reuters
Der Schnellste: Usain Bolt dominiert weiterhin die Sprinter-Szene.Foto: Dylan Martinez/Reuters

Usain Bolt legte einen Zeigefinger auf seine Lippen, das Publikum verstummte sofort. Der Herrscher der Leichtathletik verlangte absolute Ruhe für sein erstes olympisches Finale von Rio die Janeiro, die knapp 60.000 Zuschauer gehorchten. Kurz vor dem Startschuss für den Endlauf über 100 Meter war nur ein Hubschrauber zu hören, der irgendwo in der Dunkelheit über dem Estádio Olímpico João Havelange kreiste. Das leise Wummern des Helikopters wurde aber vom Gebrüll der Menge übertönt, sobald die acht Sprinter aus den Blöcken schossen.

Zunächst lag Usain Bolt zurück, wie immer. Dann holte er auf, wie immer. Im Ziel lag er klar vorn und sicherte sich den Olympia-Sieg, wie immer seit 2008. Bolt feierte seine dritte 100-Meter-Goldmedaille und den insgesamt siebten Olympiasieg in Serie, indem er sich zwei Mal mit der rechten Faust auf die Brust schlug, als er die Ziellinie überquerte. „Mir hat irgendjemand gesagt, dass ich hier unsterblich werden kann“, sagte Bolt nach dem Rennen. „Noch zwei Medaillen – und ich kann abtreten, unsterblich.“

Älter, aber noch lange nicht rostig

Silber ging an Justin Gatlin aus den USA in 9,89 Sekunden vor dem Kanadier André de Grasse (9,91). Bolts Siegerzeit von 9,81 Sekunden war die langsamste seiner drei olympischen Triumphe, er feierte auch etwas verhaltener als in der Vergangenheit. Mit einem Plüsch-Maskottchen unterm Arm joggte er durch seine Ehrenrunde, erst nach einer ganzen Weile warf er sich für die Fotografen in seine typische Siegerpose.

Der Beherrscher des Sprints ist mittlerweile 29 Jahre, seine Geheimratsecken lassen sich nicht mehr verstecken. Vor dem Start hatte er in die Kamera gegrinst, ein paar Tanzschritte angedeutet und sich imaginären Staub von den Schultern gewischt. Eingerostet wirkte er am Sonntagabend aber beileibe nicht, schneller war der Jamaikaner in diesem Jahr noch nicht gelaufen. Wie so oft hat er es anscheinend auch 2016 geschafft, pünktlich zum Saisonhöhepunkt in Topform zu kommen.

Nur vor dem Finale ging es ihm zu schnell

Er hätte eigentlich sogar noch schneller laufen können, sagte Usain Bolt. Daran gehindert habe ihn nur die extrem kurze Pause von nur etwas mehr als einer Stunde zwischen Halbfinale und Endlauf, für gewöhnlich können sich die Sprinter doppelt so lange ausruhen. Bolt nannte diesen Ablauf „lächerlich“ und „dumm“. Es sei „unmöglich zu laufen, gleich zurückzukommen und dann wieder schnell zu sein.“

Seit dem Beginn der Sommerspiele von Peking 2008 hat Bolt nun nur einen von 19 möglichen großen Titeln bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften verpasst, lediglich bei der WM 2011 in Daegu war er nach einem Fehlstart über 100 Meter ausgeschieden. In Rio de Janeiro sollen noch zwei Goldmedaillen dazukommen, über 200 Meter am Donnerstag und mit Jamaikas Sprintstaffel am Freitag. Für die 200 Meter kündigte Bolt erneut an, unbedingt seinen eigenen sieben Jahre alten Weltrekord brechen zu wollen. Die Goldmedaille am Sonntagabend sei jedenfalls ein guter Start in Rio, „ich freue mich auf die Dinge, die hier noch passieren werden“. Alles andere als das übliche dreifache Medaillenpaket würde für ihn „eine große Enttäuschung sein.“

Buhrufe gegen Justin Gatlin

Im Halbfinale hatte Bolt sich bereits auf halber Strecke nach links und rechts umgeschaut und danach breit gegrinst, in 9,86 Sekunden joggte er über die Ziellinie. Wenige Minuten später zog auch Justin Gatlin souverän in 9,94 Sekunden ins Finale ein und wirkte dabei wie der einzige Sprinter, der Usain Bolt gefährlich werden könnte. Im Finale war aber auch Gatlin chancenlos, der zweimal positiv auf Doping getestete und gesperrte 34-Jährige wurde zudem vom brasilianischen Publikum ausgepfiffen. „Ich war geschockt, als ich die Pfiffe gehört habe“, sagte Bolt. „Das war das erste Mal, dass ich das erlebt habe.“ Ihn selbst feierten die Olympia-Gastgeber hingegen mit ausdauernden „Bolt! Bolt! Bolt!“-Rufen.

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Einen weiteren Höhepunkt hatte es bereits zuvor gegeben: Der Südafrikaner Wayde van Niekerk stellte im Endlauf über 400 Meter auf dem Weg zu Gold einen neuen Weltrekord auf. In 43,03 Sekunden unterbot der 24 Jahre alte Weltmeister die 17 Jahre alte Bestmarke des US-Amerikaners Michael Johnson um 15 Hundertstel. Die Brasilianer jubelten van Niekerk zu und applaudierten eine Weile.

Dann wurden sie aber ganz ruhig, für den Hauptdarsteller des Abends, der sein Publikum wieder einmal nicht enttäuschte.

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