Sport : Verbissen im Fruchtgummi

Maria Scharapowa pflegt ihr Image als Tennisdiva.

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Küsschen für alle. Maria Scharapowa feiert Siege mit einstudierten Gesten. Foto: AFP
Küsschen für alle. Maria Scharapowa feiert Siege mit einstudierten Gesten. Foto: AFPFoto: AFP

Melbourne - Das schale Gefühl eines Déjà-vu überkam Jekaterina Makarowa, als der Ball an ihr vorbeisauste und der spitze Jubelschrei von Maria Scharapowa durch die Rod-Laver-Arena hallte. Wie schon vor einem Jahr hatte Makarowa im Viertelfinale der Australian Open absolut keine Chance, mit 2:6 und 2:6 wurde sie von Scharapowa wieder abserviert. Trotzdem durfte sich Makarowa irgendwie als Gewinnerin fühlen. Immerhin luchste sie ihrer Gegnerin vier Spiele ab, so viele wie keine andere Spielerin vor ihr in Melbourne. Insgesamt sind es nur neun Spiele, die Scharapowa bisher abgegeben hat. Misaki Doi und Olga Putschkowa hatte sie in den ersten beiden Runden sogar jeweils mit 6:0 und 6:0 zum Duschen geschickt. Zwei so genannte „Double Bagel“ in Folge hatte bei einem Grand Slam zuletzt die Australierin Wendy Turnbull 1985 geschafft. Maria Scharapowa war damals noch nicht geboren.

Nach ihrer Demonstration der Stärke verteilte die 25-Jährige Kusshändchen in alle Richtungen. Ganz so, wie sie es nach jedem Sieg tut: mit einstudierten Gesten, kühl. Auch vielen australischen Fans fällt es schwer, Maria Scharapowa wirklich ins Herz zu schließen. Zu verbissen, zu verschlossen gibt sich die Diva. Es umweht sie stets ein Hauch Unnahbarkeit, ja Arroganz. Wie nach dem Match, als sie die Nase rümpfte und sagte: „Das ist wieder keine Statistik, für die ich berühmt sein will. Ich will bekannt dafür sein, Grand-Slam-Titel zu gewinnen und nicht, weil ich nur neun Spiele abgebe oder zwei Matches 6:0 und 6:0 gewonnen habe.“

Gerade diese Attitüde aber findet so mancher aufregend. Wie auch ihre äußeren Reize. Maria Scharapowa übt eine Faszination aus, die niemanden kalt lässt. Und deshalb schaut sie jeder an, jeder hat eine Meinung über sie. Man liebt oder man verachtet die kühle Blonde, dazwischen gibt es nichts. Manchmal wirkt sie fast so wie eine schöne Prinzessin aus dem Märchen, die jedoch mit einem Fingerschnippen jeden in einen Frosch verwandelt, der sie schief anguckt. Viele aber wären nur allzu gerne wenigstens der Frosch an ihrer Seite. Die Verlobung mit dem Basketballer Sasha Vujacic hat sie kürzlich gelöst, über einen neuen Freund aus dem Spielerlager wird gemunkelt.

Doch diese Frau hat eigentlich keine Zeit für Liebeleien, schließlich ist Maria Scharapowa eine Weltmarke mit einem Bekanntheitsgrad, der weit über den Sport hinausreicht. Neun Millionen Menschen folgen ihr im sozialen Netzwerk bei Facebook, auf der Forbes-Liste wird sie seit acht Jahren als bestverdienende Sportlerin der Welt geführt. 27,1 Millionen Dollar verdiente Scharapowa allein im letzten Jahr, der famose Vertrag mit ihrem Ausrüster garantiert ihr für acht Jahre geschätzte 70 Millionen Dollar. Seit sie mit 17 Jahren Wimbledon gewann, hat ihr umtriebiger Manager Max Eisenbud die lukrativsten Werbeverträge mit Premium-Konzernen an Land gezogen. Er ist der Strippenzieher im mächtigen Scharapowa-Imperium.

Und als wäre das nicht groß genug, ist sie seit kurzem noch dicker im Geschäft: Sie verkauft ihre eigene Fruchtgummimarke. Der Name „Sugarpova“ ist die Idee Eisenbuds gewesen, der sich aus dem englischen Wort für Zucker und ihrem Namen kombiniert. Für fünf Dollar das Tütchen gibt es Gummilippen und Gummibälle nun auch in einem kleinen Shop in Melbourne. „Vielleicht bieten wir auch bald Schokolade und Karamell an“, sagt die Geschäftsfrau, „für meinen Körper hoffe ich aber, dass es nicht so weit kommt.“ Die Fruchtgummis sind das erste Unternehmen, bei dem sie selbst Chefin ist und nicht nur ihren Namen und ihr Gesicht hergibt. Es ist ihr erster Schritt in die Selbstständigkeit, denn inzwischen weiß sie sehr genau, wie das Spiel funktioniert. Petra Philippsen

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