Sport : Verdacht der Untreue

Sandra Dassler

Gestern gab die Cottbuser Staatsanwaltschaft ihr Schweigen auf. Sie bestätigte offiziell, dass sie gegen den Geschäftsführer des FC Energie Cottbus, Klaus Stabach, den Vereinspräsidenten Dieter Krein sowie einen Cottbuser Unternehmer wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Der Tatverdacht beruht auf der Zeugenaussage eines in der Schweiz lebenden Spielervermittlers, der Bankbelege und Unterlagen über den FC Energie vorlegte. Daraus geht hervor, dass Stabach und Krein im März 2001 die Freigabe des Spielers Kevin Mc Kenna an den schottischen Verein Heart of Midlothian für eine Ablösesumme von 1,8 Millionen Mark erklärten. Tatsächlich sollen nur 900 000 Mark für Mc Kenna gezahlt worden sein, davon gingen 400 000 Mark auf das Konto der Firma Moreno Soccer mit Sitz in Lima.

Damit bestätigten sich in Cottbus kursierende Gerüchte, wonach die Anzeige auf den Spielervermittler Ludwig Kolin zurückgeht, der Mc Kenna vermitteln sollte. Der Verein wickelte das Geschäft dann über Vermittler Willi Hoppen ab, der nach eigenen Angaben Besitzer der Firma in Lima ist. Hoppen soll mit den 400 000 Mark ein Vielfaches an Vermittlungsgebühr erhalten haben als ursprünglich mit Kolin vereinbart worden war. Woher der Sinneswandel der Energie-Manager rührte und ob es stimmt, dass Kolin mehrere hunderttausend Mark "Schweigegeld" angeboten wurden, bleibt vorerst unklar.

In einer Stellungnahme verweist das Energie-Präsidium darauf, dass die einzelnen "Beweis"-Unterlagen in keinerlei Zusammenhang stünden und sämtliche Vorgänge um den McKenna-Transfer "rechtlich unbedenklich" seien. Zugleich wird die Staatsanwaltschaft in harscher Form kritisiert, weil sie "auf die bloße Aussage eines Spielervermittlers ... Ermittlungen eingeleitet hat". Sie müsse sich fragen lassen, ob nicht das Ansehen des Vereins durch "voreilige Hausdurchsuchungen" beschädigt werde. Präsident Dieter Krein sagte dem Tagesspiegel: "Auf reine Lügen hin wird ermittelt. Das ist Rufmord, denn da bleibt immer etwas hängen."

Krein und Stabach wehren sich auch gegen Vorwürfe, wonach sie im Zusammenhang mit dem Umbau der VIP-Logen im Stadion der Freundschaft auch Umbauten an ihren eigenen Häusern vornehmen ließen und dem Verein in Rechnung stellten. Ihre Anwälte - so kündigten sie an - würden gegen die Verleumder vorgehen. Gleichwohl wächst bei Freunden und Sponsoren des FC Energie die Kritik am "seit Jahren undurchsichtigen Geschäftsgebahren des Präsidiums". Ein Kenner des Vereins sagte: "Man beauftragt nicht die gleiche Firma mit Arbeiten im Verein und im Privathaus. Das ist anrüchig." Der betreffende Firmenchef - nach Tagesspiegel-Recherchen soll es sich um den Holzbau-Unternehmer Uentz aus Cottbus handeln - war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft, Petra Hertwig, wies die Kritik der Energie-Manager zurück: "Wir arbeiten sorgfältig und ermitteln in alle Richtungen. Natürlich liegt auch ein Verfahren wegen Steuerstraftaten nahe."

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