Vereinsheim für Hertha : Blau-weiße Tresenthesen

Herthas Fans haben kein Vereinsheim, in dem sie gemeinsam leiden können. Es ist aber in Planung – und auch im alten Treff kehrt junges Leben ein.

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So sah es 1971 aus, als einige Spieler das „Hertha-Domizil“ in der Jülicher- Ecke Behmstraße besuchten. Jetzt ist das Ex-Klubhaus frisch renoviert.
So sah es 1971 aus, als einige Spieler das „Hertha-Domizil“ in der Jülicher- Ecke Behmstraße besuchten. Jetzt ist das Ex-Klubhaus...Foto: ullstein bild

Bier wird hier schon lange nicht mehr ausgeschenkt. Das alte „Hertha-Domizil“ hinter dem Bahnhof Gesundbrunnen, einst Vereinsheim von Hertha BSC, rottete seit den 90er Jahren vor sich hin, die Scheiben eingeschlagen, das Haus durch Gestrüpp versteckt. Jetzt ist das Eckhaus renoviert – ein neues Klublokal soll darin aber nicht entstehen.

Hertha plant seit langer Zeit still und leise mit Senat, Bezirk und Architekten den Bau eines neuen Vereinstreffpunkts, gleich neben dem Olympiastadion: das „Fanhaus“. Noch in diesem Jahr soll es gebaut werden, sagt Geschäftsführer Ingo Schiller. Selbst im Falle des Abstiegs – Hertha braucht am Sonnabend gegen Hoffenheim unbedingt einen Sieg – soll am Projekt festgehalten werden, dann werde der Bau nur eine Nummer kleiner ausfallen. Zum 120. Geburtstag des Klubs – gegründet wurde Hertha am 25. Juli 1892 im Kiez rund um den Arkonaplatz in Mitte – wäre es ein Geschenk an die Anhänger; Hertha hat fast 30 000 Vereinsmitglieder, und selbst das immer wiederkehrende Leid im Olympiastadion schauen sich im Schnitt 53 000 Zuschauer an. Freiwillig.

Der genaue Standort für das Fanhaus soll noch geheim bleiben. Der bevorzugte, landeseigene Standort müsse vom Senat abgesegnet werden, heißt es im Klub. Sonst habe man zwei Alternativen.

Im Fanhaus sollen sich alle Fans treffen können, Kuttenträger, Kinder und Ultras, und das nicht nur an Spieltagen. Es soll Platz für einige hundert Leute bieten. In einem großen Versammlungsraum sollen die Fans diskutieren können, ihre Aktionen planen, Materialien lagern, Kicker spielen und Spiele im Fernsehen angucken. Auch Büros sollen dort entstehen, zum Beispiel für Dachorganisationen wie dem „Förderkreis Ostkurve“.

Frisch renoviert: Ins ehemalige Hertha-Domizil soll ein Hostel kommen.
Frisch renoviert: Ins ehemalige Hertha-Domizil soll ein Hostel kommen.Foto: Doris Klaas

Wie groß das Haus wird, hängt von der Liga ab, in der Hertha spielt. „Aufgrund der sportlichen Situation haben sich die Prioritäten verschoben. Erst mal geht es um den Klassenerhalt“, sagt Fanbetreuer Donato Melillo. Bei einem Abstieg solle das Haus kleiner werden, aber mit der Möglichkeit, es zu erweitern. Um das Fanhaus, so die Idee, sollen sich keine gestandenen Großgastronomen kümmern, sondern die Fans. „Dann identifizieren sie sich damit, dann ist es etwas Eigenes“, sagt Melillo. Die geschätzten Kosten in Höhe von einer Million Euro will der Verein nicht bestätigen. Auch wenn sich die Fans bei der Finanzierung beteiligen und auch Eigenleistung einbringen können (Schiller: „Alle Fans vom Bau scharren mit den Werkzeugen“), wird der Verein den Großteil der Kosten stemmen. Die Fans des 1. FC Union, der Stadtrivalen aus Köpenick, hatten vor einigen Jahren sogar große Teile des Stadions umgebaut – Hunderte nahmen sich extra Urlaub, um auf der Baustelle zu helfen.

„Die Sehnsucht ist groß, fast alle anderen Vereine haben so was“, sagt Björn Wilde vom Verein „Fanhaus 1892“. Die Initiative gründete sich vor einem Jahr. Mittlerweile sind 200 Anhänger nahezu aller Fanklubs dabei; auch gesammeltes Geld wurde dem Verein übergeben.

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