Sport : Verfolgte Unschuld

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Stefan Hermanns über die angebliche Verschwörung gegen Hertha BSC

Hans Meyer ist ein Trainer mit Grundsätzen. Zum Beispiel sagt Meyer generell nichts zu Entscheidungen eines Schiedsrichters. Und wenn er glaubt, doch etwas sagen zu müssen, sagt er immerhin: „Normalerweise sage ich nichts zum Schiedsrichter…“ Diese Haltung spricht für den Trainer von Hertha BSC, weil es einfach ist, nach Ansicht aller Kameraeinstellungen mindestens eine zu finden, die die Fragwürdigkeit des schiedsrichterlichen Tuns belegt. Der Schiedsrichter selbst hat diese Möglichkeit auf dem Platz nicht. Er entscheidet nach seinem ersten Eindruck, und der ist leider manchmal falsch.

Vielleicht kann man im schlimmsten Fall von menschlichem Versagen sprechen, Vorsatz aber wird man einem Schiedsrichter nur schwer unterstellen können – auch wenn Dieter Hoeneß, Herthas Manager, am Samstag in diese Richtung argumentiert hat. „Langsam bekommt die Sache eine gewisse Tendenz“, hat er gesagt, und damit eine gezielte Benachteiligung seines Vereins angedeutet. Wer jedoch wie Dick van Burik seinen Gegenspieler zu Boden stößt, nimmt einen Platzverweis zumindest billigend in Kauf.

Es zählt zu den gern gepflegten Legenden des Fußballs, dass Mannschaften vom unteren Ende der Tabelle häufiger von Fehlentscheidungen betroffen sind als Mannschaften im oberen Bereich. Diese Legende aber verkehrt Ursache und Wirkung: Abstiegskandidaten spielen härter und undisziplinierter als Titelaspiranten, deshalb entscheiden die Schiedsrichter häufiger gegen sie. Nur daran liegt es, dass die Berliner mehr Rote Karten gesehen haben als jeder andere Bundesligist. Für eine Verschwörung gegen Hertha BSC jedenfalls gibt es keine Anhaltspunkte. Und wenn Hertha so weitermacht, bald auch gar keine Notwendigkeit mehr.

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