Sport : Verlängertes Vergnügen

Anson Carter schießt das entscheidende Tor für Kanada im Finale der Eishockey-WM

Claus Vetter

Helsinki . Die Szenerie, die sich gestern Abend in der Hartwall-Arena von Helsinki abspielte, war so ungewöhnlich wie absurd. Der Held des Abends jubelte schon, seine Mannschaftskameraden stürmten auf die Eisfläche, schnell war Anson Carter unter einer Traube von Spielern begraben. Mit seinem Tor zum 3:2 in der Verlängerung hatte der Kanadier beim Finale gegen Schweden die 67. Eishockey-Weltmeisterschaft in Finnland beendet. Doch schien es plötzlich so, als hätten sich die Kanadier zu früh gefreut. Schiedsrichter Vladimir Sindler erklärte die Partie nicht für beendet, beorderte beide Teams wieder auf die Spielerbänke. Gebannt verfolgten 13 387 Zuschauer ein Telefonat des Tschechen mit dem Videorichter. Erst nach fünf Minuten legte Sindler den Hörer beiseite, zeigte auf die Mitte der Eisfläche: Das Tor zählte, Kanada war Weltmeister.

Mit seiner Entscheidung hatte der Herr vom Videobeweis richtig gelegen. Aus einer Kameraperspektive war zu erkennen, dass Carters Schuss die Linie überquert hatte. Der Mann mit den langen Rastalocken wurde zum Hauptdarsteller von Helsinki. „Ich mag Eishockey nicht, ich liebe Eishockey“, hat der Stürmer von den New York Rangers aus der nordamerikanischen Profiliga NHL einmal gesagt. Gestern liebten ihn seine Kollegen, Carters erfolgreiches Solo um das schwedische Tor hatte Kanada den 22. Titel beschert.

Carters Treffer fiel nach 73 Minuten und 49 Sekunden, bereits zum zweiten Mal gelang den Kanadiern damit im WM-Turnier ein Sieg in der Verlängerung. Im Viertelfinale hatten die Nordamerikaner das deutsche Team bereits im „Sudden death“ bezwungen. In den 60 Minuten vor der Verlängerung hatten Tore von Shawn Horcoff (20.) und Shane Doan (50.) nach einem 0:2-Rückstand das kanadische Team im Spiel gehalten, nachdem zunächst Mathias Tjärnqvist (11. Minute) und Per-Johan Axelsson (19.) für die Schweden getroffen hatten. Nur im ersten Drittel waren die Schweden überlegen, danach überzeugten die Kanadier vor allem in kämpferischer Hinsicht. Die beiden schwedischen Stars aus der NHL, Peter Forsberg und Mats Sundin, kamen nicht so zum Zuge wie etwa noch im Viertelfinale, wo die Schweden nach einem 1:5-Rückstand gegen Finnland noch 6:5 gewinnen konnten.

Als Präsident René Fasel vom Eishockey-Weltverband dem kanadischen Kapitän Ryan Smyth den WM-Pokal überreichte, jubelten die finnischen Zuschauer dem neuen Weltmeister begeistert zu. Aber auch dem Erzrivalen aus Schweden gehörten die Sympathien des finnischen Publikums, das in den vergangenen zweieinhalb Wochen zahlreich in die Hallen in Helsinki, Turku und Tampere geströmt war. 450 000 Besucher sahen die 56 Spiele, damit verbuchte das Turnier die zweitbeste Resonanz in der Geschichte der Eishockey-WM. Den Rekord hält weiterhin die WM 1997 – ebenfalls in Finnland – mit 526 000 Zuschauern.

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