Sport : Verlorenes Gleichgewicht

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Crimmitschau. Das deutsche Synonym für ehrliches, kleines Eishockey. In der DDR durfte in dem kleinen westsächsischen Klub nicht erstklassig gespielt werden, nach der politischen Wende kann es sich der Eishockeyverein aus der Provinz nicht leisten, erstklassig zu spielen. Ab Freitag allerdings spielt der Eishockey & Tennisclub mit Weltklassebesetzung, mit zwei kanadischen Profis aus der besten Eishockeyliga der Welt. Weil in der NHL wegen eines Arbeitskampfes die Spieler ausgesperrt sind, suchen sich die Eishockey spielenden Millionäre Arbeitgeber, um die Pause zu überbrücken. Die beiden alten Kumpels Wayne Simmonds und Chris Stewart haben sich für Crimmitschau entschieden. Westsachsen freut sich, der Rest der zweiten deutschen Liga stöhnt. Das Gleichgewicht ist gestört.

Hundertschaften arbeitslose NHL-Profis überfallen dieser Tage die europäischen Ligen, und ein Ende ist – so lange der Arbeitskampf in Nordamerika andauert – nicht in Sicht. Das könnte in so mancher Liga dazu führen, dass aus Außenseitern über Nacht Favoriten werden. Und aus Favoriten Außenseiter, wenn die NHL wieder spielt. Es ist ein Zirkus, zumal das Engagement von Crimmitschau den Schluss zulässt, dass mancher NHL-Profi sich in der Unterklassigkeit nur verletzungsfrei durch die Spielpause mogeln will.

Aber auch ein Zirkus, mit dem kleine Klubs mit Merchandising und steigenden Zuschauereinnahmen Geld verdienen können. Insofern gibt die NHL, die sonst die besten Talente aus allen Ländern mit ihren übertriebenen Gehältern in ihrer Klasse zusammenzieht, etwas zurück an den Rest der Eishockeywelt. Der sollte allerdings immer im Auge haben, dass es sich um einen Wanderzirkus handelt, der irgendwann wieder wegzieht. Vor allem aus Crimmitschau.

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