Sport : Verlorenes Selbstvertrauen

Deutsche Basketballer unterliegen zum EM-Auftakt Italien 82:84, nachdem sie schon klar geführt hatten

Benedikt Voigt[Vrsac]

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn teilten die Helfer im Centar Millenium zu Vrsac ein unerfreuliches Din-A-4-Blatt aus – aus deutscher Sicht zumindest. Auf ihm sind alle 15 Spiele verzeichnet, die das deutsche Basketball-Team bisher gegen die italienische Nationalmannschaft bei Europameisterschaften bestritten hat, angefangen bei den Olympischen Spielen von 1936. Es ist ein Din-A-4-Blatt voller Niederlagen. Seit gestern Abend kann es sogar um eine 16. Niederlage verlängert werden. Allerdings um eine sehr ehrenvolle. Erst nach Verlängerung unterlag das deutsche Team im ersten Spiel der Gruppe A bei der Europameisterschaft in Serbien-Montenegro dem Olympiazweiten und EM-Favoriten Italien. Beim 82:84 (74:74, 34:38) vor 3500 Zuschauern hatten Sven Schultze und Dirk Nowitzki mit ihren Dreipunktewürfen in den letzten Sekunden der Verlängerung den Sieg in der Hand. Doch beide verfehlten den Korb.

„Wir waren heute einfach nicht clever genug“, sagte der NBA-Spieler Dirk Nowitzki, der mit 27 Punkten bester Werfer des Spiels war. Centerspieler Patrick Femerling und Pascal Roller unterstützten ihn in der Offensive mit jeweils 14 Punkten tatkräftig. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht“, sagte Nowitzki, „es gibt keinen Grund, die Schultern hängen zu lassen.“

Nach einer nervösen ersten Halbzeit hatte das deutsche Team im letzten Viertel sogar mit 14 Punkten geführt. „Da haben wir toll Basketball gespielt“, sagte Bundestrainer Dirk Bauermann. Doch dann konnte seine Mannschaft in der entscheidenden Phase, als Centerspieler Patrick Femerling auf der Bank saß, sich nicht mehr die Rebounds sichern. Und so bekamen die Italiener in einem Angriff sechsmal die Chance, auf den Korb zu werfen – bis der Ball drin war. „In dieser Phase haben wir das Spiel verloren“, sagte Bauermann. Aufbauspieler Pascal Roller konnte mit einem Dreipunktewurf in der Schlussminute immerhin die Verlängerung (74:74) erzwingen. In dieser Phase gelang dem italienischen Forward Giacomo Galanda mit zwei Dreipunktewürfen die Vorentscheidung. Bester Spieler bei den Italienern aber war der Spielmacher Gianluca Basile, der 25 Punkte erzielte und vor allem Demond Greene große Schwierigkeiten bereitete. „Basile ist ein europäischer Spitzenspieler, gegen solche Gegner hat Demond in der Bundesliga noch nicht gespielt“, sagte Bauermann entschuldigend.

Wie aber soll die deutsche Mannschaft mit dieser Niederlage umgehen? Es gibt manchmal nichts Schlimmeres, als eine gute Niederlage“, sagte der Bundestrainer. „Man muss jetzt aufpassen, dass man jetzt nicht in Selbstmitleid verfällt.“ Denn bereits heute bestreitet seine Mannschaft das zweite Spiel bei der EM gegen die Ukraine (21 Uhr, live im DSF). Die Ukrainer galten im Vorfeld als schwächstes Team der Gruppe A, weshalb das Team um Nowitzki dieses Spiel schon gewinnen muss, um weiterzukommen. „Das Ergebnis gegen Italien bedeutet, dass wir jetzt gewinnen müssen“, sagte Bauermann.

Marko Pesic lehnte nach dem Spiel vor der Umkleidekabine an der Wand und trauerte der vergebenen Chance nach. Er konnte der Niederlage nur einen positiven Aspekt abgewinnen. „Wir wissen jetzt, dass wir jeden in Europa schlagen können“, sagte der Flügelspieler. Dann versank er wieder in Trauer und sagte: „Das haben wir vorher auch gewusst.“

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