Sport : Vernetzte Sicherheit

Wettanbieter wollen einheitliches Warnsystem

Christian Hönicke

Berlin - „Ach, Herr Straub hat ein Frühwarnsystem für Betrug bei Sportwetten gefordert?“ Detlef Train lacht, als er von dem Ansinnen des Geschäftsführers der Deutschen Fußball-Liga erfährt. „Die privaten Buchmacher fordern das schon seit langem.“ Train ist Chef des Salzburger Sportwettenanbieters Intertops und erklärt, wie er sich das vorstellt: Die Wettanbieter stellen „eine Art informelles Memorandum“ über etwaige Unregelmäßigkeiten vor jedem Spieltag zusammen, die Liga entscheidet dann über Maßnahmen.

Die meisten Wettanbieter nutzen ein solches Warnsystem ohnehin, um sich vor Verlusten zu schützen. Wenn auf bestimmte Spielergebnisse viel Geld gesetzt wird, gibt es Alarm. „Dann senken wir die Quote“, sagt Train, manchmal wird die Wette sogar aus dem Angebot genommen. Seit 23 Jahren ist Train im Wettgeschäft tätig. „Was Deutschland jetzt erlebt, haben andere Länder schon hinter sich“, sagt er. „Und die haben ihre Konsequenzen gezogen.“ In England etwa dürfen Fußballspieler nicht mehr auf eine Niederlage ihres Teams setzen, auch ein Frühwarnsystem gibt es dort. „In Deutschland sehe ich nichts dergleichen.“

So stricken sich die Wettanbieter ihre eigenen Sicherheitsnetze. Hartmut Schultz vom größten deutschen privaten Wettanbieter Betandwin erklärt: „Bei uns muss man persönliche Daten angeben. Anonyme Wetten sind nicht möglich.“

Allerdings greifen diese Vorkehrungen nur bedingt, wenn auf der anderen Seite kein Interesse an einer Zusammenarbeit besteht. Der Deutsche Fußball-Bund fühlt sich eher dem staatlichen Anbieter Oddset verpflichtet, der ihn mit einem Teil der Einnahmen mitfinanziert. Vor kurzem hat Train auf verdächtige Wetteinsätze beim Zweitliga-Spiel Aue gegen Oberhausen (2:0) hingewiesen. Als Antwort bekam er eine Strafanzeige aus Oberhausen. Train: „Schon komisch, wie auf Aufklärungsversuche reagiert wird.“ Der Fall Hoyzer dürfte zu einem Umdenken führen. Inzwischen wird sogar eine generelle Deckelung der Einsätze diskutiert. Schultz hält das für kein geeignetes Instrument: „Dann setzen die Leute ihr Geld übers Internet eben im Ausland.“

Vor Problemen stehen die Anbieter, sollten Spiele tatsächlich wiederholt werden. „Wir müssten prüfen, was unsere Anwälte dazu sagen“, sagt Train. „Ich glaube aber nicht, dass wir zur Rückzahlung der Einsätze verpflichtet wären. Wir bekommen das Geld von unseren Kunden ja auch nicht wieder.“

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