Verpatzter EM-Test : Deutschland verliert wieder gegen Frankreich

Im letzten Länderspiel vor der Nominierung des EM-Kaders kassiert die deutsche Nationalmannschaft eine enttäuschende Niederlage. Erst in der Nachspielzeit gelingt dem Team von Joachim Löw der Ehrentreffer.

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Die Körpersprache sagt es deutlich: Das war nichts. Deutschland verliert im letzten Test vor der Nominierung des EM-Kaders gegen Frankreich mit 1:2.Weitere Bilder anzeigen
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29.02.2012 22:05Die Körpersprache sagt es deutlich: Das war nichts. Deutschland verliert im letzten Test vor der Nominierung des EM-Kaders gegen...

Ende der ersten Halbzeit erlaubte sich Joachim Löw einen Luxus, den man sich nur erlauben kann, wenn man weiß, dass man nichts zu verlieren hat – selbst wenn man verlieren sollte. Kurz vor der Pause musste Andre Schürrle mit Verdacht auf Nasenbeinbruch vom Feld, doch anstatt gleich auszuwechseln, schickte der Bundestrainer Thomas Müller erst einmal von der Bank zum Warmlaufen. Fünf Minuten spielte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich in Unterzahl. So enthusiastisch, wie sich die Franzosen vor dem Spiel über die Deutschen und ihre neue fußballerische Klasse geäußert hatten, hätte man annehmen können, dass sie nur mit einem Mann mehr auf dem Feld würden mithalten können. Doch dem war nicht so. Die Franzosen gewannen gestern Abend vor 37800 Zuschauern im ausverkauften Bremer Weserstadion 2:1 (1:0). Es war angesichts eines dürftigen Auftritts der Deutschen ein durchaus schlüssiges Ergebnis.
Die Mannschaft von Joachim Löw, der mit Per Mertesacker, Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Mario Götze auf fünf wichtige Spieler verzichten musste, trat zu Beginn sehr dominant auf, erspielte sich viel Ballbesitz, ohne jedoch in der Offensive richtig gefährlich zu werden. Nach einer guten Viertelstunde aber ließ die Überlegenheit schlagartig nach, die Gäste wurden stärker und hatten im Anschluss an eine Ecke auch die erste Chance des Spiels. Tim Wiese parierte den Kopfball von Yohan Cabaye jedoch glänzend.
Kurz darauf hatte der Bremer Torhüter bei seinem Heimspiel im Nationaltrikot keine Abwehrchance. Nach einem Fehler von Denis Aogo bediente Mathieu Debuchy Olivier Giroud in der Mitte, und der wuchtige Mittelstürmer aus Montpellier vollendete aus kurzer Distanz mit einem Schuss durch Wieses Beine zum 1:0 für die Gäste. Der Bremer ist so etwas wie der Seuchenvogel der Nationalmannschaft. Er bestritt gestern Abend sein sechstes Länderspiel – und hat immer noch kein einziges gewonnen.

Hundert Tage vor dem Beginn der Europameisterschaft fanden die Deutschen nur schwer zurück ins Spiel. Erst nach einer halben Stunde kamen sie zu ihrer ersten richtig guten Chance – nach einem Freistoß von Toni Kroos. Miroslav Klose konnte den Ball sogar noch im Strafraum annehmen, scheiterte dann aber an Hugo Lloris; gleich darauf rettete der französische Torhüter auch gegen Holger Badstuber, erneut nach einer Flanke von Kroos. Die beste Kombination gelang den Deutschen kurz vor der Pause in Unterzahl. Über Marco Reus, Sami Khedira und Mesut Özil landete der Ball bei Miroslav Klose, der jedoch beim Torabschluss entscheidend gestört wurde.
Zur zweiten Hälfte brachte der Bundestrainer Mario Gomez für Klose, Benedikt Höwedes ersetzte Badstuber. Der Schalker rückte rechts in die Viererkette, Jerome Boateng dafür in die Innenverteidigung. Der Fluss im deutschen Spiel ging nun endgültig verloren, der Aufbau blieb meist schon im Ansatz stecken, Kombinationen fanden kaum noch statt, und auch an taktischer Disziplin fehlte es den Deutschen. Marco Reus, der nach Müllers Einwechslung von der rechten auf die linke Seite wechselte, hatte nach einer knappen Stunde mit einem Flachschuss eine erste Gelegenheit, die beste Chance der zweiten Hälfte vergab Gomez, der eine Flanke von Thomas Müller nur knapp verfehlte.
Fast im Gegenzug gelang den Franzosen der vorentscheidende Treffer. Nach einer Hereingabe, erneut von der rechten Seite, löffelte der eingewechselte Florent Malouda den Ball im Fallen zum 2:0 unter die Latte. Den Deutschen fehlten nun die Überzeugung und ein bisschen auch der Enthusiasmus, die erste Niederlage seit März des vergangenen Jahres (1:2 gegen Australien) noch zu verhindern. Auch wenn Cacau in der Nachspielzeit noch der Anschlusstreffer gelang, hat ihre schwarze Serie gegen die Franzosen weiterhin Bestand. Seit 1987 haben die Deutschen nicht mehr gegen Frankreich gewonnen.

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