Sport : Verteidiger spielen Torjäger Warum die Eisbären zu viele Treffer kassieren

Katrin Schulze

Berlin - Vielleicht lief alles zu einfach. Die Eisbären führten 5:2, schienen die Krefeld Pinguine nach Belieben zu beherrschen. So, wie sie das in dieser Saison der Deutschen Eishockey-Liga oft mit ihren Gegnern angestellt haben. Dann aber machte der Tabellenführer am Freitagabend eine neue, unerfreuliche Erfahrung. Die Pinguine spielten, die Eisbären schauten zu. Was Don Jackson auch versuchte, seine Mannschaft wachte nicht mehr auf: Der Berliner Trainer wechselte den Torwart, nahm eine Auszeit. „Ich wollte Impulse geben“, sagte er. Geholfen hat es nicht. Fünf Gegentore in Folge kassierte sein Team und verlor noch 5:7.

Dass dies für die immer noch auf Rang eins rangierenden Berliner die zweite Niederlage in Folge war, ist wohl weniger schlimm. Vielmehr ist erstaunlich, wie die Eisbären zuletzt in ihr Unglück schlitterten. Gleich zwölf Gegentore mussten sie gegen Hannover und Krefeld hinnehmen. „Unsere Defensive hat in den letzten beiden Partien nicht gut funktioniert“, sagt Jackson. „Es kann nicht sein, dass wir zweimal eine Führung verspielen.“

Woran es liegt, dass die Eisbären zuletzt so großzügig mit einem Vorsprung umgingen? Verteidiger Tobias Draxinger sagt: Wenn man ein Drittel auf hohem Niveau spiele, falle es danach schwer, die Konzentration aufrecht zu erhalten. „Die Saison beginnt halt langsam an uns zu zehren.“ Jackson kritisiert nun insbesondere seine Abwehr - „zu wenig bemüht“ habe sie sich, findet der ehemalige Weltklasseverteidiger. Tatsächlich kann Jackson auf sechs erfahrene Defensivkräfte zurückgreifen, allerdings vertraut der Trainer vor allem Deron Quint und Andy Roach – die US-Amerikaner bekommen deutlich mehr Eiszeiten als die anderen. Wenn es nicht läuft, verzichtet Jackson auch schon mal auf die Hälfte seiner Verteidiger. Wie gegen Krefeld: In der Schlussphase kam neben Quint und Roach nur Brandon Smith als nomineller Abwehrspieler zum Einsatz. Frank Hördler, Jens Baxmann und Draxinger schauten zu. „Ich hatte das Gefühl, die drei hatten nicht genug Selbstbewusstsein, um auch ein Tor zu machen“, sagt Jackson.

Verteidiger als Torjäger? Da liegt wohl das Problem: Die Eisbären-Abwehr verbringt oft mehr Zeit vor dem gegnerischen Tor als vor dem eigenen. „Wenn man so offensiv spielt wie wir, kann es schon mal passieren, dass man hinten nicht wach genug ist“, findet Draxinger. In Nürnberg (14.30 Uhr, live auf Premiere) sollte das nicht mehr passieren. Auch wenn den Berlinern dort heute neben Christoph Gawlik, der wegen einer Schulteroperation bis Saisonende ausfällt, sechs weitere Stürmer fehlen, „müssen wir uns wieder zusammenreißen“, sagt Draxinger. Denn so einfach wie zu Saisonbeginn läuft es bei den Eisbären scheinbar nicht mehr.

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