Sport : Vertrauen statt Alarm

Trotz großer Verletzungssorgen will der FC Bayern keinen weiteren Angreifer verpflichten

Carsten Eberts[Zürich]
Foto: dapd
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Mario Gomez konnte mit einfachen Worten erklären, was ihm kurz vor der Halbzeitpause widerfahren war. Nach einem Schuss griff er sich an den Oberschenkel, humpelte vom Platz, blieb gleich in der Kabine. „Ich bin raus, weil ich mir einen Nerv eingeklemmt hatte“, sagte Gomez und ließ die Alarmstimmung beim FC Bayern kurzzeitig noch ein wenig ansteigen. Sollte Gomez etwa auch ausfallen? Nach Ivica Olic und Arjen Robben, der im Qualifikationsrückspiel am Dienstagabend beim FC Zürich mit Rückenschmerzen und einer Schambeinentzündung gar nicht zum Einsatz kam? Gomez gab später vorsichtig Entwarnung: „Der Doc sagt, dass wir das bis Samstag hinbekommen.“ Dann müssen die Bayern in der Liga zum 1. FC Kaiserslautern.

In Zürich war Gomez trotzdem entscheidender Mann; er war es, der der Partie nach sieben Minuten jegliche Dynamik raubte. Auf Zuspiel von Thomas Müller überwand er Keeper Leoni aus 16 Metern und raubte jenen Schweizern, die tatsächlich noch Hoffnung hatten, auch noch den letzten Mut. Nach dem 0:2 im Hinspiel brauchten sie fortan vier Tore – wie sollte das gehen? Aus dem Letzigrund-Stadion wich urplötzlich die Luft, alles sackte zusammen. Es blieb beim 1:0. Die Münchener warten nun, wer ihnen am heutigen Donnerstag in Monte Carlo in die Champions-League-Gruppe gelost wird.

Christian Nerlinger, der Sportdirektor der Bayern, verkaufte den Verzicht auf Robben und Gomez zwar als „Vorsichtsmaßnahme“ – ignorieren konnte allerdings auch Nerlinger nicht, dass die Bayern in der zweiten Halbzeit mit dem jungen Nils Petersen den einzigen fitten Stürmer im Kader auf den Platz hatten. Am Mittwoch allerdings schloss die sportliche Leitung des Rekordmeisters die Verpflichtung eines weiteren Stürmers aus. „Ich habe vollstes Vertrauen in unseren bestehenden Spielerkader“, erklärte Trainer Jupp Heynckes. „Zudem ist unsere medizinische Abteilung überzeugt, dass Ivica Olic nach seiner Verletzung in absehbarer Zeit wieder zur Mannschaft zurückkehren wird.“

Auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge sprach sich gegen einen weiteren Transfer aus. „Wir sind sicher, dass wir mit unserer jetzigen Mannschaft die in dieser Saison anvisierten Ziele erreichen können“, sagte Rummenigge.

Nils Petersen dürfte diese Worte mit Freude vernommen haben. Am Dienstagabend hatte er nach dem Spiel noch gesagt: „Ich versuche, den Trainer zu überzeugen, dass er niemanden mehr zu holen braucht.“ Das scheint ihm zunächst gelungen zu sein.

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