VfB Stuttgart : Der schwere Start des Meisters

Die erste Niederlage in der Bundesliga nach einem halben Jahr zeigt: Für Stuttgart beginnt die Saison zäh wie erwartet.

Stefan Hermanns

Berlin - Es muss eine ziemlich dreiste Lüge sein, dass vor einer Woche eine neue Saison der Fußball-Bundesliga begonnen hat. Möglicherweise trifft es auf 17 der 18 Mannschaften zu, und möglicherweise haben diese 17 Mannschaften wirklich bei null angefangen. Der VfB Stuttgart aber muss eine Art Ausnahmegenehmigung erhalten haben, die vergangene Saison einfach ad infinitum weiterzuspielen. Anders ist nicht zu erklären, was sich am Samstagnachmittag um kurz vor halb sechs in der Westkurve des Berliner Olympiastadions abspielte. Die Spieler des VfB hatten sich nach der 1:3-Niederlage pflichtschuldig bei ihrem Anhang versammelt, doch anstatt dort mit mehr oder weniger lauem Applaus verabschiedet zu werden, sangen und tanzten die Stuttgarter Fans wie nach einem Auswärtssieg. „Das war schon etwas komisch“, sagte Stuttgarts Kapitän Fernando Meira.

Andererseits ist es nicht verwerflich, dass eine Mannschaft, die gerade nach einem halben Jahr zum ersten Mal wieder ein Bundesligaspiel verloren hat, bei ihrem Publikum noch einen gewissen Kredit besitzt. Noch weniger verwerflich ist es, dass die Stuttgarter Spieler nach der Niederlage mit sich selbst sehr viel kritischer umgingen, als es ihre eigenen Fans taten. „Man darf verlieren, aber nicht so“, sagte Ludovic Magnin. „Das war nicht genug für unsere Ansprüche.“ Sami Khedira klagte: „Wir haben ein bisschen kopflos gespielt. Das darf uns nicht passieren.“ Und Fernando Meira: „Eine Niederlage mit drei Toren ist etwas Schlimmes.“

Im Grunde waren die Stuttgarter gedanklich schon lange darauf vorbereitet, dass ihr Start in die Saison holprig werden könnte; als ihre Befürchtungen dann mit der Niederlage in Berlin tatsächlich amtlich wurden, waren sie trotzdem von der Wucht überrascht. „Wir haben das Spiel selbst verloren“, sagte Trainer Armin Veh. Ein Spiel, das die Stuttgarter mit der Selbstverständlichkeit des Meisters lange dominierten, jedoch nicht mit der nötigen Entschlossenheit einer Entscheidung zuführten. „Ich hatte das Gefühl, dass wir denken, es kann eh nichts passieren“, sagte Veh. „Gegen einen Gegner, der sich noch finden muss, musst du als Spitzenmannschaft einfach gewinnen.“

Dabei gibt es durchaus Gründe dafür, dass der VfB noch nicht die Überlegenheit aus der Endphase der vergangenen Saison wiedergefunden hat. Die Vorbereitung ist alles andere als optimal verlaufen. In Berlin musste Veh sieben Ausfälle (Osorio, Bastürk, Gomez, Cacau, Delpierre, Boka und Gledson) ersetzen. Die Verpflichtung neuer Spieler zog sich in diesem Sommer ungewohnt lange hin, doch obwohl die beiden Stürmer Ewerthon und Marica erst kurz vor Saisonbeginn nach Stuttgart gekommen sind und noch nicht allzu oft mit ihren neuen Kollegen trainiert haben, mussten sie mangels Ersatz in Berlin von Anfang bis zum Ende durchspielen. „Die Laufwege vorne können noch nicht stimmen“, sagte Veh.

Allen guten Gründen zum Trotz wurde Stuttgarts Trainer nach dem Spiel gefragt, ob man nun schon von einem Fehlstart seiner Mannschaft sprechen müsse. „Wenn Sie das so nennen wollen, können Sie das tun“, antwortete Veh. Die bisherige Bilanz des Meisters ist tatsächlich nicht besonders meisterlich: Nach zwei Spieltagen sind die Stuttgarter noch immer ohne Sieg, vor allem liegen sie bereits fünf Punkte hinter den Bayern zurück. „Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen“, sagte Kapitän Fernando Meira. „Wir müssen einfach positiv denken.“ Und wenn sie nicht wissen, wie das geht, können sie einfach bei ihren Fans nachfragen. Stefan Hermanns

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