VfB Stuttgart : Keine "Lex Matthäus" für Markus Babbel

Nun ist es amtlich: Markus Babbel kann nur dann übers Saisonende hinaus Teamchef beim VfB Stuttgart bleiben, wenn er sich um eine Trainerlizenz bemüht. Und die soll Babbel nicht so einfach erhalten wie Jürgen Klinsmann und Matthias Sammer.

Elmar Dreher[dpa]
Babbel
Markus Babbel soll einen elfmonatigen Lehrgang absolvieren. -Foto: dpa

StuttgartFür Europameister Markus Babbel wird es definitiv keine "Lex Matthäus" geben. Der Teamchef des VfB Stuttgart darf nach Ansicht von DFL und DFB maximal bis zum Saisonende am 30. Juni 2009 als Cheftrainer ohne Lizenz weiterarbeiten. Dass die Ausnahmegenehmigung spätestens dann ausläuft, hat die DFL dem Verein nach eigenem Bekunden bereits mitgeteilt. Noch vor Bekanntgabe der endgültigen Entscheidung hatte VfB-Sportdirektor Horst Heldt angekündigt, am Donnerstagabend direkt nach der Uefa-Cup-Gruppenpartie gegen Standard Lüttich "Vertragsverlängerungen bekanntzugeben". Die Top-Personalie Babbel ist dabei reine Formsache.

Auf die neueste, endgültige Entscheidung reagierte Heldt am späten Nachmittag relativ kurz angebunden. "Das interessiert mich im Moment nicht", sagte er der dpa. "Unser Fokus liegt allein auf dem entscheidenden Uefa-Cup-Spiel gegen Standard Lüttich. Das wird auch so schwer genug."

Keine "Extrawürste" für verdienstvolle Nationalspieler

Anders als etwa für die beiden Weltmeister Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann sowie Europameister Matthias Sammer wird es für Babbel keine "Extrawurst" in der strittigen Trainerfrage geben. Cheftrainer eines Bundesligisten müssen künftig die Fußball-Lehrer-Lizenz besitzen, zeigten sich DFL und DFB kompromisslos. Es werde keine Sondergenehmigungen mehr für einen Kurzlehrgang oder sonstige Ausnahmeregelungen für verdienstvolle Nationalspieler oder andere ehemalige Profis geben.

"Im Fall des VfB Stuttgart wurde jedoch berücksichtigt, dass Markus Babbel Inhaber der Trainer-A-Lizenz ist und bereits Mitglied des Trainerstabes beim VfB Stuttgart war", begründete Holger Hieronymus, der DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, die derzeitige Sondererlaubnis für Babbel. Deshalb sei die Ausnahmegenehmigung bis zum Saisonende vertretbar. "Eine Verlängerung ist ausgeschlossen", betonte Hieronymus.

Sammer: Vom Profiteur zum Gegner

DFB-Sportdirektor Sammer, der einst selbst von der Sonderbehandlung profitiert hatte und nun einer der entschiedensten Gegner weiterer Ausnahmen ist, erklärte: "Die Verantwortlichen beim DFB, der DFL und bei den Vereinen sind sich einig, dass wir gut beraten sind, die Position und den Stellenwert des Trainers aufzuwerten. Es sollte daher selbstverständlich sein, dass wir bei der Ausbildung eine große fachliche Qualität gewährleisten, und das erfordert auch ein umfangreiches zeitliches Engagement beim Absolvieren des Fußball-Lehrer-Kurses."

Babbels Engagement als Nachfolger des am 23. November entlassenen Armin Veh ist zunächst bis zur Winterpause begrenzt. Angesichts des Aufschwungs der seither viermal unbesiegten Schwaben würden die VfB-Verantwortlichen mit dem 36 Jahre alten Bayern am liebsten aber nicht nur bis zum Saisonende, sondern darüber hinaus verlängern. Wenn Babbel aber zum regelmäßigen, elf Monate dauernden Lehrgangsbesuch an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Köln gezwungen ist, kann er nach dem 30. Juni 2009 faktisch seine Funktion als Chefcoach nicht ausüben.

Klinsmann legt sich für Babbel ins Zeug

Ob die Stuttgarter trotz dieses endgültigen Neins weiter versuchen, eine Ausnahmegenehmigung durchzusetzen oder vorübergehend einen anderen Cheftrainer zu installieren und auf ihren Wunschkandidaten Babbel warten, ist offen.

Klinsmann hatte sich erst am Freitag für seinen einstigen Mitspieler stark gemacht. "Der Sonderlehrgang im Jahr 2000 war für die Welt- und Europameister und Markus Babbel ist nach wie vor einer der letzten Europameister. Er konnte damals wie auch Lothar Matthäus nicht teilnehmen, weil er selber noch gespielt hat. Bei Lothar hat man einen Parallelkurs gemacht, genauso gehört sich das bei Markus Babbel", sagte der ehemalige Nationaltrainer und jetzige Coach des FC Bayern München. Der DFB und der VfB sollten sich zusammensetzen und ein Konzept entwickeln. Babbel hatte Klinsmanns Aussagen begrüßt: "Ich glaube, Jürgen sieht die Sache gar nicht so verkehrt."

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