VfB Stuttgart : Wut bei der Wiederkehr

Der VfB-Sieg in Frankfurt ist Ulreichs Verdienst. Es war ein besonderes Spiel und eine besondere Situation, die man durchaus als kleine Ohrfeige für VfB-Trainer Bruno Labbadia werten darf.

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Stuttgart Um die Nervenstärke von Sven Ulreich zu erklären, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Als er zwölf Jahre alt war, starb sein Vater an Krebs. Der war nicht nur enge Bezugsperson, sondern auch sein Torwarttrainer. „Seitdem ich zwölf bin, bin ich bei uns der Mann im Haus“, sagt der 22-Jährige, der in den vergangenen Tagen oft an seinen Vater dachte. Jedes Mal, wenn er vor einem Spiel auf den Rasen läuft, schickt der Torwart des VfB Stuttgart ihm einen Gruß, indem er die geballte Faust gen Himmel streckt. Auch vor dem 2:0-Sieg am Sonntag in Frankfurt. Es war ein besonderes Spiel und eine besondere Situation, die man durchaus als kleine Ohrfeige für VfB-Trainer Bruno Labbadia werten darf.

Ulreich habe Weltklasse gehalten, sagte Christian Träsch. Die Kollegen stürmten gleich nach dem Schlusspfiff auf den Torhüter zu und umarmten ihn. „Sie haben mir gesagt, dass es mein Sieg war“, berichtete er. Labbadia dagegen schien nichts gegen den Eindruck zu haben, er hätte den jungen Torwart absichtlich gereizt. „Er hat endlich diese Wut und Angriffslust gehabt, die er vorher nicht hatte“, sagte Labbadia. An dieser Wut aber trägt er eine Mitschuld.

Vor dem Europa-League-Spiel gegen Benfica Lissabon ersetzte Labbadia Ulreich durch den 34-jährigen Marc Ziegler, der sich dann im Spiel eine schwere Gehirnerschütterung zuzog. Ulreich musste und durfte zurück ins Tor. Seitdem ist das Verhältnis zwischen Trainer und Torwart erkaltet. Absicht des Trainers oder nicht: Von Ulreich scheint tatsächlich eine Menge Druck abgefallen, seitdem er den Eindruck hatte, er habe nichts mehr zu verlieren – als Torwart auf der Bank. „Ich hoffe, ich darf im Tor bleiben“, sagt Ulreich nun. „Aber ich werde alles für den Verein tun, damit wir nicht absteigen – auch auf der Bank.“ Nach seiner Degradierung wälzte er Statistiken, um zu erkennen, „ich habe nicht alles falsch gemacht“. Und er rief Jens Lehmann, seinen Vorgänger im VfB-Tor, an. Der habe ihm Mut gemacht, sagt Ulreich. Der Sieg gegen die Frankfurter, die mehrfach an ihm gescheitert waren, war ein Triumph: „Das war wichtig für die Mannschaft und für mich.“ Sein Vater, fügte er hinzu, freue sich jetzt sicher mit ihm.

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