Sport : Viel Arbeit für die Abwehr

Der 1. FC Union will künftig ohne Libero und mit Viererkette spielen – vielleicht schon zum Rückrundenstart am Sonntag bei Mainz 05

Karsten Doneck

Berlin. Mirko Votava hat nicht vollmundig versprochen, er wolle sogleich die Sterne vom Himmel holen. Als der ehemalige Bremer Anfang November als Trainer beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Union anheuerte, hat er vielmehr bescheiden darauf hingewiesen, man müsse sich jetzt in den sechs Spielen bis zum Ende der Hinrunde irgendwie durchwursteln, hier und da noch ein paar Punkte mitnehmen. In der Winterpause aber – da müsse dann ein Neuanfang gemacht werden. Einer, bei dem Votava nicht mehr der Verwalter von Unzulänglichkeiten sein wollte, sondern selbst Akzente für eine bessere Zukunft setzt. Der Trainer hat gehandelt. Bemerkenswert ist ein Novum: Union hat den Libero abgeschafft, tritt gegnerischen Angriffen künftig mit einer Vierer-Abwehrkette entgegen, im Ernstfall erstmals am Sonntag beim Rückrundenstart in Mainz.

Zuletzt im Testspiel gegen 1860 München (0:1) stand die Deckungsformation mit Sandmann, Molata, Ernemann und Nikol ganz ordentlich. „Vom System her haben wir nicht viele Fehler gemacht“, konstatierte Votava zufrieden. Etwas Skepsis bleibt dennoch. Unions Abwehrspielern wurde schon vor Votavas Zeit häufiger mal der Vorwurf gemacht, sie seien zu langsam. Gerade ein Abwehrsystem ohne Libero erfordert aber Spielertypen, die flink auf den Beinen sein müssen. Votava kennt derlei Einwände, lässt sich davon aber nicht beirren. „Wenn wir Leute hätten, die die 100 Meter in 10,4 laufen, dann würden die bei Inter Mailand spielen. Aber in der Zweiten Liga haben auch andere Mannschaften nicht diese superschnellen Spieler in der Innenverteidigung. Außerdem lässt sich durch cleveres Verschieben und durch Erfahrung einiges ausgleichen.“

Für Mirko Votava stand schon bei Amtsantritt fest, dass er bei seiner Arbeit vor allem das Abwehrverhalten verbessern muss. Als er seinen Dienst in der Alten Försterei antrat, hatte Union in elf Spielen schon 23 Gegentreffer kassiert. Bis zum Ende der Hinrunde wurden daraus 33 Gegentore, Union hat damit die viertlöchrigste Abwehr der Liga. Bleibt nur die Frage, was jetzt aus Steffen Menze wird, der zuvor meist Libero spielte, aber beim Einstudieren des neuen Abwehrsystems im Trainingslager auf Mallorca fehlte, weil seine Ehefrau Yvonne in Berlin im Krankenhaus lag. „Steffen ist ein wichtiges Mosaiksteinchen in unserem Kader“, sagt Votava. Und Menze ist vielseitig verwendbar. Votava sagt: „Wenn wir mal alles oder nichts spielen müssen, kann ich den Steffen bedenkenlos vorne mit reinstellen.“

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