Sport : Viel Geld für wenig Erfahrung

Der junge Serbe Gojko Kacar steht vor einem Wechsel zu Hertha – für eine Ablöse von drei Millionen Euro

Stefan Hermanns[Norbert Ruetsche],Koblenz[Norbert Ruetsche],Claus Vetter

Das Stadion Oberwerth gehört nicht gerade zu den Schmuckstücken im deutschen Profifußball. Auch wenn die Stadt Koblenz die bereits 1935 erbaute Arena nach dem Aufstieg des TuS Koblenz in die Zweite Liga renoviert hat – im aufgepeppten betagten Rund mit den Stahlrohrtribünen ist es trotz überdachter Sitzplätze im Bereich der Südtribüne und neuer Rasenheizung nicht unbedingt komfortabel, und das gestrige Spiel machte den Betrachtern auch kaum gute Laune: Hertha mühte sich zwei Wochen vor dem Start der Bundesliga-Rückrunde vor 4081 Zuschauern zu einem 0:0 beim Zweitligisten TuS Koblenz.

Interessanter als das Testspielergebnis war aus Sicht des Bundesligisten sicherlich, was sich in Berlin ereignete. Dort nämlich ist Manager Dieter Hoeneß dem Vernehmen nach mit einer personellen Entscheidung ein gutes Stück weitergekommen: Der Transfer von Gojko Kacar von FK Vojvodina Novi Sad zu Hertha BSC ist offensichtlich beschlossene Sache. Der am 26. Januar 21 Jahre alt werdende Mittelfeldspieler, der lange Zeit auch als Innenverteidiger gespielt hat, gilt in Serbien als Mann mit Zukunft und debütierte im November vergangenen Jahres für die Nationalmannschaft seines Heimatlandes. Angeblich soll die Ablösesumme für Kacar drei Millionen Euro betragen. Hertha hatte Kacar ein Jahressalär von 200 000 Euro angeboten, Kacar hatte wohl eine halbe Million Euro gefordert. Bereits am 17. Januar soll sich Kacar mit Hertha auf einen Vierjahresvertrag geeinigt haben, berichtet die Tageszeitung „Dnevnik“ aus Novi Sad. Am Samstag dann flog Kacar nach Berlin. Er sagte zuvor: „Ich glaube, dass wir uns geeinigt haben und ich nahe daran bin, meine Karriere bei Hertha fortzusetzen. Mit den Bedingungen, die mir Dieter Hoeneß angeboten hat, bin ich zufrieden.“

Hoeneß hatte zuletzt schon gesagt, dass er an das Können des jungen Serben, den die Belgrader Tagesszeitung „Blic“ einen der „talentiertesten serbischen Fußballer“ nannte, glaube. „Das ist ein interessanter Spieler“, hatte der Berliner Manager gesagt. Allerdings sei Kacar eher etwas für die Zukunft, ein Wechsel daher erst im Sommer wahrscheinlich. Nun also kommt es wohl anders. Der Transfer Kacars ist der größte Transfer in der Geschichte des FK Vojvodina Novi Sad. Michael Preetz, bei Hertha Leiter der Lizenzspielerabteilung, sagte gestern: „Die Vereinbarungen mit Kacar sind so weit getroffen.“ Es gelte nur noch, Visaprobleme zu lösen, bereits für heute erwarte Hertha Kacar wieder in Berlin. Zudem soll nun Mittelfeldspieler Bryan Arguez (zuletzt Washington DC United) einen Vertrag bei Hertha bekommen, der 19 Jahre alte US-Amerikaner hatte im Trainingslager auf Teneriffa überzeugt und spielte gestern auch in Koblenz für Hertha.

Der Weg eines anderen jungen Spielers zu Hertha ist dagegen wohl beschwerlich. Der Wechsel des 19 Jahre alte Lubomir Fejsa, der schon mit Hertha im Trainingslager auf Teneriffa war, gestaltet sich kompliziert. Fejsa hatte dem FC Metz vor sechs Monaten bereits zugesagt, allerdings protestieren die Franzosen nicht mehr, sondern Hajduk Kula, Fejsas jüngster Klub. Vereinspräsident Nikol Dzomba soll behaupten, dass sich Hertha nicht an gemachte Vereinbarungen gehalten habe. Daher würden die Verhandlungen ruhen. Preetz sagte hingegen: „Wir brauchen nur noch eine Unterschrift unter den Transfervertrag.“ Alles andere sei bereits „per Handschlag geregelt“ worden.

Noch ohne die beiden serbischen Zugänge, ja sogar ganz ohne serbische Beteiligung – Marko Pantelic fehlte –, zeigte sich Hertha am Sonntag beim Spiel in Koblenz eher mäßig in Form. Beide Mannschaften neutralisierten sich im Mittelfeld, Hertha machte viele Fehler, wobei für die Berliner nur eine bessere B-Elf auf dem Rasen stand. Trainer Lucien Favre hatte auf seine zum Teil angeschlagenen Stammspieler Jaroslav Drobny, Arne Friedrich, Josip Simunic und eben Pantelic verzichtet. Ohne die Stars reichte es beim mittelprächtigen Zweitligisten TuS Koblenz nur zu einem 0:0 – an der Stätte, an der die Berliner 2005 noch knapp an einer Blamage vorbeikamen und in der ersten Runde des DFB-Pokal erst nach Verlängerung 3:2 gewannen. Übrigens im noch nicht renovierten Stadion, damals war Koblenz noch Drittligist.

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