Viele Ausfälle : Eher breit als spitz

Die Handballer der Füchse Berlin können Ausfälle kaum verkraften - das zeigte sich bei der Niederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen.

Hartmut Moheit

Ob sein Plan realistisch ist, weiß Bob Hanning noch nicht. Aber angesichts seiner Eindrücke vom Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen wird der Geschäftsführer der Füchse Berlin alles in Bewegung setzen, dass es damit klappt. „Ich würde Konrad Wilczynski am liebsten selbst am Samstag zum Spiel bei TuSEM Essen bringen“, sagt er. „Er braucht sich dort auch nicht aufwärmen und keine Minute spielen. Nur die Siebenmeter soll er verwandeln. Und wenn ich ihn danach wieder vom Parkett tragen muss.“

Was Hanning unmittelbar nach dem 24:32 mit Galgenhumor verkündete, hat einen ernsten Hintergrund: Die Füchse sind gegen Spitzenteams der Handball-Bundesliga nur schwer in der Lage, Ausfälle von Leistungsträgern auszugleichen. Nicht einmal von der Siebenmeterlinie, von der gegen die Badener vier Spieler insgesamt neun Mal gescheitert waren. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagt Trainer Jörn-Uwe Lommel. Gewohnt ist er von Wilczynski, dessen Platzwunde am Kopf sich entzündet hatte und der deshalb fehlte, dass diese Würfe in den allermeisten Fällen im Tor landen. Einen gleichwertigen Vollstrecker für den Österreicher hatte er nicht im Team. Auch nicht für Wilczynski, den Linksaußen. Der talentierte Martin Murawski ist noch nicht soweit, das war gegen die Löwen zu sehen.

Ein ähnliches Problem, das auftreten könnte und damit die Füchse in ihren ehrgeizigen Ambitionen zunächst wieder zurückwerfen würde, gäbe es im Tor. Auch für Petr Stochl fehlt ein gleichwertiger Ersatz. Solange er als Nummer eins im Team ist, kann sich der junge Jens Vortmann weiterentwickeln. Wenn der 21-Jährige plötzlich allein die Verantwortung zu übernehmen hätte, wäre das mit dem Problem auf Linksaußen vergleichbar. Besteht deshalb Handlungsbedarf?

„Nein, ich glaube an diese Mannschaft. Wir haben für das Team ja als Saisonziel die Plätze acht bis zwölf ausgegeben, nicht das Erreichen der Champions League“, sagt Bob Hanning. Dass er natürlich über die eine oder andere Position mit Blick auf die Zukunft nachdenke, sei normal. Die Füchse seien aber bereits jetzt auf allen Positionen doppelt besetzt, und deshalb müsse sich niemand Sorgen machen. „Einen Ausrutscher nach unten, aber auch nach oben, kann es immer mal geben“. Mit Essen, dem Gegner am Samstag, sehen sich die Füchse wieder auf Augenhöhe. Sicherheitshalber hat Bob Hanning gestern Abend mal wieder beim Training vorbeigeschaut, um sich vom „ungebrochenen Kampfgeist zu überzeugen“. Eine gute Nachricht ist ihm vom Teamarzt übermittelt worden: Die Kopfverletzung bei Wilczynski heile jetzt wieder ganz gut.

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