Sport : Viele Chancen, wenige Tore

Die deutsche Nationalmannschaft müht sich gegen ein defensives Team von den Färöern zu einem 3:0.

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Augen zu und durch. Sami Khedira (l.) überzeugt mit guter Kopfballhaltung gegen Christian Holst. Foto: dapd
Augen zu und durch. Sami Khedira (l.) überzeugt mit guter Kopfballhaltung gegen Christian Holst. Foto: dapdFoto: dapd

Die Kicker von den Schafsinseln schauten nicht schlecht, als sie in das Stadion in Hannover einliefen. Für gewöhnlich spielen sie vor 600 Zuschauern. Und nun das. Es waren zwar nicht alle der knapp 50 000 Plätze belegt, sondern nur 32 769, aber auch das sind beinahe so viele wie alle Färinger zusammen, die auf der Inselgruppe im Nordatlantik leben – zusammen mit 80 000 Schafen. Das mit dem Fußball ist nicht so ihre Sache, sie sind mehr oder minder Halbprofis, gehen anständigen Berufen nach wie denen des Lehrers und Zimmermanns, weshalb es gestern Abend mit den Torchancen für die Deutschen ein bisschen zuging wie beim Schafezählen vor dem Einschlafen. Sie hätten gereicht für drei oder vier Spiele, am Ende stand aber nur ein vergleichsweise mageres 3:0 (1:0). „Für uns war es wichtig, dass wir uns keine Blöße geben“, sagte Thomas Müller nach dem 500. Sieg der deutschen Länderspielgeschichte. „Mit dem 3:0 können wir gut leben.“

Joachim Löw baute gegen die Nummer 154 des Weltfußballs seine Mannschaft um und verpasste ihr ein offensives 4-1-4-1-System. Marcel Schmelzer konnte auf der linken Abwehrseite wegen einer Prellung doch nicht wie geplant auflaufen. Holger Badstuber rückte auf die Seite, Per Mertesacker und Mats Hummels bildeten die Innenverteidigung. Und im Mittelfeld verzichtete der Bundestrainer auf einen weiteren defensiven Spieler neben Sami Khedira. Dafür bot er in Thomas Müller, Mesut Özil und Marco Reus auch Mario Götze auf – die vielleicht spielstärkste Reihe seit Ewigkeiten.

Daran gemessen kam es einer kleinen Ewigkeit gleich, bis Mario Götze nach fast einer halben Stunde den Ball endlich im Netz der Färinger unterbrachte. Es war mehr oder weniger eine Einzelaktion des Dortmunders, was sinnbildlich war für den Abend. Nicht, dass Löws Mannschaft nicht zusammenspielen wollte, das schon, nur eben vielleicht einen Tick zu viel. Bis zur Führung hatte die deutsche Elf sieben zum Teil erstklassige Chancen ausgelassen, oder aber ihr stand der famos haltende Gunnar Nielsen im Weg.

Der 25-Jährige fing die Torschüsse wie seine Landsleute sonst nur Fische. Nielsen hat es vor zwei Jahren immerhin zu einem Spiel in der Premier League gebracht, bei Manchester City. Seitdem wartet er auf einen zweiten Einsatz.

Es sah mitunter recht hübsch aus, was die Deutschen anstellten. Sie versuchten das Tempo permanent hochzuhalten und hielten dabei Ausschau nach Lücken in der Defensive der Färinger, die sich zu einem Gestrüpp aus stämmigen Beinen und beherzten Oberkörpern geformt hatte. „Sie waren sehr gut geordnet“, sagte Mario Götze, „standen sehr tief und gut gestaffelt.“ Und trotzdem fand das deutsche Team Lücken für steile Anspiele, doch entweder mangelte es an Gradlinigkeit und Genauigkeit der einzelnen Aktionen, oder aber Nielsen war zur Stelle.

Auf diese Weise kamen bis zur Pause noch drei weitere Großchancen hinzu, aber leider noch kein zweites Tor. Und das, obwohl das Gehäuse der Gäste quasi unter Dauerbeschuss stand. Die Spieler des dänischen Trainers Lars Olsen haben sich aber nicht umsonst einen Namen als Torverhinderungskünstler gemacht. Nach vorn ging bei ihnen so gut wie gar nichts, dafür stemmten sie sich aufopferungsvoll gegen eine drohende Klatsche.

Nach zehn Minuten in der zweiten Halbzeit erhöhte Özil auf 2:0. Es war dessen zehntes Länderspieltor in seinem 40. Einsatz. Joachim Löw wird seiner Mannschaft in der Halbzeit wohl gesagt haben, dass ihr Spiel ein wenig mehr Stringenz vertragen könnte, denn von nun an, wurde schneller der Torabschluss gesucht. Es wurde nicht mehr so lange gefackelt vor dem Tor der Färinger, aber Nielsen hielt, was es zu halten gab. „Das ist im Moment ein bisschen unser Problem: dass wir zu viele Chancen auslassen“, sagte der Bundestrainer.

Die Schlussphase leitete dann Özil mit seinem zweiten Treffer zum 3:0 ein. Aber auch hier war Nielsen noch dran. Er wird den Deutschen noch dankbar sein, dass sie ihn an diesem Abend richtig berühmt geschossen haben. Aber auch der Rest der Färinger wird nicht böse sein über dieses 0:3. Es hätte auch zweistellig werden können. Die Halbprofis können beruhigt nach Hause fahren, wo es in Sachen ordentlicher Berufe Vollbeschäftigung gibt.

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