Sport : Vier Mal ist nicht genug

Bayern schlägt Mainz 4:2, doch Magath nörgelt

Daniel Pontzen[München]

Dimo Wache presste die Lippen aufeinander, wie jemand, der mit aller Macht ein Lachen unterdrücken will. Irgendwann gluckste es doch aus ihm heraus, es sah aus wie eine Mischung aus Stolz und Verlegenheit. Er hatte gerade einen Schuss von Michael Ballack abgewehrt und damit eine längere Liste glanzvoller Paraden erweitert, andererseits war in jener 55. Minute längst absehbar, dass der Ausflug ins Olympiastadion recht unerfreulich für die Mainz enden würde. 2:4 unterlag der Aufsteiger dem Tabellenführer Bayern München, dessen neue Dominanz allmählich an frühe Hitzfeldsche Zeiten erinnert.

Zu Beginn hatten die Mainzer kurzzeitig den Eindruck erweckt, als könnten sie ihrem frech formulierten Vorhaben, den Münchner Aufwärtstrend zu beenden, Taten folgen lassen. Munter kombinierten sie, hatten die ersten beiden Torchancen, erst nach einer Viertelstunde hatten die Münchner die Verhältnisse der tabellarischen Hierarchie angepasst. Zé Roberto, der mit Mehmet Scholl anstelle von Bastian Schweinsteiger (Angina) und Thorsten Frings (Gelbsperre) das offensive Mittelfeld bildete, war dabei Hauptverantwortlicher eines genialen Spielzuges, den Claudio Pizarro per Kopf zum 1:0 vollendete. Im Anschluss entwickelte sich ein Spielverlauf, der phasenweise an den Champions-League-Auftritt am Dienstag erinnerte: Die Bayern kombinierten sich zu zahlreichen Chancen, und wie schon gegen Tel Aviv war das Spiel zur Halbzeit entschieden. Mehmet Scholl hatte den Ball zum 2:0 ins leere Tor gegrätscht – nach selbstlosem Zuspiel Roy Makaays, der wenig später einen unfreiwilligen Steilpass des Mainzers Fabian Gerber zum 3:0 nutzte. Alle drei Torschützen standen zunächst unter Abseitsverdacht, doch nach Studium der TV-Bilder musste der Mainzer Trainer Jürgen Klopp anerkennen, dass „die Entscheidungen wohl alle richtig waren“.

In der zweiten Hälfte, an der Oliver Kahn wegen einer Kapselverletzung am Finger nicht mehr teilnahm, hätten die Bayern mühelos einen neuen Torrekord aufstellen können. „Wir waren wieder nicht konsequent genug“, nörgelte Bayerns Trainer Felix Magath, „als Profi muss ich versuchen, keine Gefühle zu zeigen, auch wenn es 3:0 steht.“ Dass es nicht zu einem Kantersieg langte, lag unter anderem an je einem Pfosten- und Lattentreffer. „Ein Spiel mit hohem Unterhaltungswert“ (Magath) war es dennoch, erst recht in den Schlussminuten: Die tapferen Mainzer kamen zum 1:3 durch Babatz, Michael Ballack erhöhte per Kopf, ehe Claudius Weber das 2:4 erzielte.

Während Magath den Spielern trotz seines Ärgers über das Resultat drei trainingsfreie Tage bescherte, gab sich Manager Uli Hoeneß angriffslustig. Er hatte „noch was in eigener Sache“ mitzuteilen. Es betraf Schalkes Manager Rudi Assauer, der sich in mäßig seriösem Tonfall („Sollen sie doch ein Bayern-Studio aufmachen und fetten Gänsen auch noch den Arsch schmieren“) darüber beschwert hatte, dass die ARD zum Rückrundenstart Bayerns Heimspiel gegen den HSV überträgt und nicht Schalke gegen Bremen.

„Das ist reiner Populismus“, sagte Hoeneß, für die Übertragung gebe es kein zusätzliches Geld, Schalke könne das Live-Spiel „mit Kusshand“ haben. Es sei eben Wunsch der ARD gewesen, die Bayern zu zeigen. „Schalke muss erst mal ein paar Meisterschaften gewinnen, dann können sie Ansprüche stellen.“

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