Sport : Vier Runden reichen

Felix Sturm kommt durch den Sieg gegen Radosevic einem erneuten WM-Kampf näher.

Bertram Job
Obenauf. Boxer Felix Sturm ist bereit für einen WM-Kampf. Foto: dpa
Obenauf. Boxer Felix Sturm ist bereit für einen WM-Kampf. Foto: dpaFoto: dpa

Dortmund - Wenn er andere schützen soll, verhält sich Predrag Radosevic perfekt. Der 28-jährige Sicherheitsspezialist trägt Dienstwaffe und Schutzpolster, wenn er für die hohen Herren im kleinen Montenegro den Leibwächter gibt. Für sich selbst sorgte er im Nebenerwerb als Preisboxer weniger überzeugend. Da ließ er sich im Ring der Dortmunder Westfalenhalle in weniger als vier Runden drei Mal auf der im Training vorgeschädigten Rippe treffen. Womit alle Träume, in die Weltelite des Mittelgewichts aufzusteigen, vorerst geplatzt sind.

Der leise Mann aus Podgorica ist über Nacht nicht zum Hauptakteur geworden. Er konnte nur die Rolle ausfüllen, die ihm wohl zugedacht war: Unfreiwilliger Helfer bei der Präsentation des Modells „Felix Sturm 2.0“ zu sein. Am unzureichend geschützten Körper seines Gegners durfte sich der ehemalige Weltmeister aus Köln austoben, der gleich zwei Missionen verfolgt. Sturm will zum vierten Mal Titelträger werden. Und demonstrieren, „dass die letzten Kämpfe nur Ausrutscher gewesen sind“.

Der starken Ankündigung folgte eine entschlossene Präsentation im Ring. Mit dem ersten Gong begab sich Sturm in die Halbdistanz, um dort die klareren, imposanteren Treffer zu setzen. Sein Respekt für den Gegner hielt sich also in Grenzen – und schwand weiter, als dieser in Runde drei nach einem Haken zum Körper erstmals angezählt wurde. Eine Runde später war der 44. Kampf in Sturms Karriere (37 Siege, zwei Remis, drei Niederlagen, einmal ohne Wertung) vorbei: Radosevics Betreuer warfen nach dem dritten Niederschlag das Handtuch in den Ring.

Wie viel ist der Sieg über die Nr. 76 der Weltrangliste wert? Für die 10 000 Augenzeugen war es der fulminante Ausgang eines einseitigen Vergleichs, der dem Sieger gleichwohl Türen öffnet: Sturm wird dadurch Pflichtherausforderer des australischen IBF-Champions Daniel Geale, der ihn im vergangenen September auspunkten konnte. Und das obwohl mit Sam Soliman ein anderer Australier, dem Sturm im Februar unterlag, im Ranking vor ihm bleibt. Das ist die weiche Lösung der IBF, die auf diese Weise ein Dopingvergehen Solimans ahndet.

Für Sturm war es zumindest „ein Schritt in die richtige Richtung“, wie er mit ungewohnter Demut befand, auch wenn nun „andere Kaliber“ folgen werden. Er habe sich zwischen seinen Kämpfen zu sehr gehen lassen, wie er gestand, und zu viel gefuttert, aber nun neue Leidenschaft aktiviert. Was nicht zuletzt auch preiswerter sei: „Jetzt brauche ich keine zwei Jeansgrößen mehr und nur einen Kleiderschrank.“ Bertram Job

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