Sport : Viermal Gold reicht nicht

Michael Phelps wäre gern etwas schneller

Andreas Morbach

Montreal - Seit einem halben Jahr ist Michael Phelps Student. Er lebt allein, und er hat es fertig gebracht, seine Küche in ein Meer von Seifenblasen zu verwandeln. Der 20-Jährige hatte Handseife in seine Geschirrspülmaschine gekippt, den Startknopf gedrückt und dann das Haus verlassen. Der Rest war Chaos. Er ist also wirklich auch nur ein Mensch, der sechsmalige Schwimm-Olympiasieger aus Baltimore, USA. Wenn er sich außerhalb eines Schwimmbeckens aufhielt, bestand daran kein Zweifel. Aber seit der WM in Montreal ist klar, dass Phelps auch im Pool kein Phänomen ist. Das klingt seltsam, weil Phelps viermal Gold und einmal Silber gewann, aber bei ihm gelten andere Maßstäbe. „Menschen müssen sich ans Wasser gewöhnen“, hat Ralf Beckmann, der deutsche Chef-Trainer, mal gesagt, „Michael Phelps ist der einzige Mensch, der sich ans Land gewöhnen muss.“ Jede unerwartete Niederlage ist ein Riss in einem Denkmal. Und so waren nicht seine Erfolge in Kanada das große Thema in den amerikanischen Zeitungen, sondern sein Aus im Vorlauf über 400 m Freistil. „Ich würde gerne schneller schwimmen“, sagte Phelps. „Aber im Moment ist es, wie es ist. Und ich kann nichts daran ändern.“

Ein Spruch. Denn selbstverständlich will der Ausnahmeathlet etwas ändern – vor allem nach seinem zweiten Platz im Duell mit seinem Landsmann Ian Crocker über 100 Meter Schmetterling. Crocker gewann in 50,40 Sekunden, das bedeutete Weltrekord. „Ich mag nicht verlieren“, schnarrte Phelps anschließend. Er weiß auch, warum er nicht mehr so schnell durchs Wasser gleitet. „Die Bewegung unter Wasser ist nicht mehr so gut, wie sie schon einmal war.“ Außerdem hat er zu viele Termine. „Ich muss 1000 Entscheidungen treffen, früher hatte ich meine Ruhe.“ Früher hatte er aber auch weniger Geld. Jetzt kassiert er von einem Elektronik-Unternehmen vier Millionen Dollar für einen Vierjahresvertrag. Und demnächst muss Phelps auf Werbetour nach Asien.

Dass der US-Star außerhalb des Beckens nicht anderes ist als ein schlaksiger, junger Mann mit ungewöhnlich ausgeprägtem Kinn, das zeigte sich im Übrigen schon kurz nach den Olympischen Spielen. Da wurde Phelps mit 0,9 Promille am Steuer gestoppt und musste zur Strafe 30 Stunden in Schulen über die Folgen des Alkoholmissbrauchs referieren.

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