Sport : Vierschanzentournee: Sie kommen manchmal zurück

Eine der großen Losungen des Sports lautet: "They never come back" (Sie kommen niemals zurück). Und das gilt nicht nur für Boxer. Nichts ist schwieriger für einen Spitzensportler, als den Anschluss an die Spitze wieder zu finden, wenn er ihn einmal verloren hat. Sich wieder und weiter zu schinden, angetrieben allein von der schwindenden Hoffnung, irgendwann doch noch einmal da oben zu stehen. Der Skispringer Sven Hannawald hat mehr als das geschafft. Hannawald war mal Weltmeister, ist dann unten angekommen und feiert jetzt einen historischen Triumph. Als Erster siegte er auf allen vier Schanzen der Tournee. Goran Ivanisevic fällt einem annähernd ein, der kroatische Tennisspieler, der sich schon bei Provinzturnieren wie den Heilbronn Open verdingen musste, bevor er Wimbledon gewann. Von Hannawald waren zwischenzeitlich Geschichten über Magersucht und Geldsorgen zu lesen, während der Fernsehsender RTL auf Plakaten den Hype um seinen Konkurrenten Martin Schmitt pflegte.

Zudem galt Sven Hannawald immer als der große Zweifler. Ein Talent, schon, aber einer, der das ganz große Ding nie dreht. Noch vor der Vierschanzentournee hat Bundestrainer Reinhard Hess ihm eine gute Form zugestanden und ihm den Sprung unter die Besten zugetraut. Aber nicht den Sprung ganz nach vorn. Das ist Sven Hannawald nun gelungen - mit 27 Jahren, einem geradezu biblischen Alter in der Boygroup der Skispringer. Die Leistung ist umso bemerkenswerter, wenn man all die ehemaligen Siegertypen noch mitspringen sieht. Hatten nicht auch Andreas Goldberger, Primoz Peterka oder Toni Nieminen in jungen Jahren schon mal die Tournee gewonnen?

Sven Hannawald hat sich von ihnen abgesetzt und rückt in die Nähe olympischer Helden. In die Nähe etwa einer Ulrike Meyfarth, die 1972 als 16-Jährige in München Hochsprung-Gold gewann und dieses Kunststück 1984 in Los Angeles wiederholte. Ein besserer Start in das olympische Sportjahr wäre gar nicht möglich gewesen.

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