Volelyball : BR Volleys unterliegen Friedrichshafen

Bei den BR Volleys zeigt nur Außenangreifer Scott Touzinsky konstant Topform. Der amtierende Meister VfB Friedrichshafen kompensiert den Ausfall eines Leistungsträgers besser und feiert einen (25:23, 21:25, 23:25, 25:23, 15:12)-Sieg.

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Der Berliner Paul Carroll ärgert sich über einen misslungenen Angriff.
Der Berliner Paul Carroll ärgert sich über einen misslungenen Angriff.Foto: dpa

Kawika Shoji wiegt nur 82 Kilogramm, aber er ist 1,92 Meter groß. Er wirkt schlaksig, fast schmal, man sieht in ihm einfach nicht den Typen, der einen Ball hart, sehr hart übers Volleyballnetz donnert. Shoji hat das Bild vom smarten Typen dann mal kurz und hart korrigiert. Samstag Abend, Schmeling-Halle, Shoji beim Aufschlag. Der US-Amerikaner sprang hoch und knallte den Ball mit gewaltiger Wucht ins Feld des VfB Friedrichshafen. Abwehrchance: keine; der 24-Jährige hatte den BR Volleys gerade den Punkt zur 22:20-Führung gesichert, der Volleyball-Bundesligist aus Berlin stand vor dem Gewinn des ersten Satzes. Gegen den Deutschen Meister, gegen den Serienmeister. Der Satzgewinn wäre ein Ausrufezeichen gewesen.
Aber dann nahm VfB-Trainer Stelian Moculescu eine Auszeit, er hatte nur ein paar Sekunden, um den Rhythmus der Volleys zu stören. Aber diese paar Sekunden reichten ihm. Ein Leichtsinnsfehler, zwei abgeblockte Angriffsbälle des Finnen Urpo Sivula, weitere Patzer, schon war’s passiert: Friedrichshafen gewann den Satz 25:23.
90 Minuten später stand Volleys-Manager Kaweh Niroomand neben dem Netz und sagte: „Schade, wenn wir den ersten Satz gewonnen hätten, wäre das Spiel vielleicht anders verlaufen.“ Gut möglich. Ihren 3:2 (25:23, 21:25, 23:25, 25:23, 15:12)-Sieg haben die Schwaben ja nur nach hartem Kampf und mit viel Leidenschaft erzielt. 6345 Zuschauer saßen in der Halle, bestens unterhalten mit spektakulären Ballwechseln, guter Feldabwehr, enormem Einsatz, hervorragenden Angriffsbällen. Im Angebot für die Fans waren allerdings auch ein paar kurzfristige geistige Aussetzer, bei beiden Teams. Nur hatten die Volleys dummerweise in diesem Punkt den Vergleich mit knappen Vorsprung gewonnen.
Für Mark Lebedew, den Volleys-Trainer, war das entscheidend: „Wir hatten genug Chancen, wir müssen sie aber noch besser verwerten. Wir hatten immer wieder zwei, drei Minuten, in denen wir uns große Fehler erlaubten.“ Die größere Routine, sagt auch Niroomand, habe letztlich dieses Spiel auch entschieden. Der VfB Friedrichshafen ist zu clever, zu stark, zu routiniert, als dass er solche Schwächen nicht ausnützt.
Gegen Moculescus Team muss man quasi an der Leistungsgrenze spielen, das haben nicht alle Volleys-Spieler geschafft. Urpo Sivula, der sensible Außenangreifer, hatte zu Beginn des ersten Satzes aggressiv Angriffsbälle ins VfB-Feld geschlagen, aber als er mehr Bälle annehmen musste, da begann er wieder zu wackeln. Deshalb ersetzte ihn Lebedew durch Björn Höhne. Der begann furios, aber auch er „fiel dann kurz in ein Loch“ (Lebedew). Und Zuspieler Shoji, der lange die Bälle gut verteilt hatte, spielte zunehmend „hektisch“, sagt Lebedew. Deshalb hat ihn der Coach im vierten Satz durch Kapitän Jaroslav Skach ersetzt.
Als Skach aufs Feld kam, da waren die Diagonalangreifer Oliver Venno (Friedrichshafen) und Paul Carroll (Volleys) schon unter medizinischer Beobachtung. Venno hatte sich im zweiten Satz am Fuß verletzt, Carroll kurz darauf an der Schulter. Für Carroll rückte Aleksandar Spirovski nach, kein echter Ersatz. „Wir haben ja quasi ohne Diagonalangreifer gespielt“, sagte Niroomand. „Friedrichshafen hat seinen Ausfall besser kompensiert als wir unseren.“ Überraschend, denn für Venno musste Leonardo dos Santos einspringen, eigentlich ein Außenangreifer. Der zweite VfB-Diagonalangreifer, Zoran Jovanovic, ist auch verletzt. Dos Santos erzielte acht Punkte.
Volleys-Außenangreifer Scott Touzinsky kam auf 17 Punkte. In jeder Sekunde demonstrierte der US-Amerikaner, dass er in Berlin gerade seine ganz spezielle Mission absolviert. Seine Mission lautet: Imageverbesserung.
Dass er die Volleys nach der vergangenen Saison aus sportlichen Gründen hatte verlassen müssen, das hat sein Ehrgefühl verletzt. Im Januar holte ihn Niroomand zurück, jetzt will er seine eigentliche Stärke demonstrieren. Am Samstag leistete Touzinsky dabei ganze Arbeit: Der Olympiasieger wurde als wertvollster Spieler ausgezeichnet.

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