Sport : Voller Freude ins Finale

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Von Christoph Daum

Finale – wer hätte das gedacht! Es ist einfach sensationell, was die deutschen Spieler und das Trainerteam geleistet haben. Besonders Michael Ballack hat, wenn man seinen Gesundheitszustand bedenkt, optimal gespielt. Das Endspiel wäre seine Krönung geworden – schade. Für alle anderen hat die Vorbereitung aufs Finale gleich nach dem Abpfiff in Seoul begonnen: mit einem medizinischen Check, um Verletzungen sofort behandeln zu können. Aber es darf auch ein wenig gefeiert werden, das setzt Glückshormone frei. In der blauen Stunde wächst das Wir-Gefühl, die Spieler sprechen übers Finale und wie sie auch das gewinnen können. Damit kein Missverständnis aufkommt: Mehr als ein oder zwei Biere werden nicht getrunken. Alkohol ist ein Zellgift, das die Regeneration um Tage verzögert. Die Spieler wissen das, sie verfügen heute selbst über ein umfangreiches medizinisches Wissen.

Am Tag nach dem Spiel bestellen Ärzte und Physiotherapeuten die Spieler schon sehr früh zur Behandlung. Dann etwas laufen, den Finalgegner beobachten, sich pflegen – viel mehr geschieht nicht. Es hat sich auch als sinnvoll herausgestellt, den Spielern einen freien Tag mit der Familie zu gewähren. Franz Beckenbauer organisierte vor dem Finale 1990 eine Bootstour auf dem Comer See, Berti Vogts lud 1996 bei der EM zum Tag der offenen Tür ins Trainingslager.

Am dritten Tag beginnt die gewissenhafte Vorbereitung auf das Finale. Das Trainerteam hat das Videomaterial gesichtet und die wichtigsten Informationen zusammengeschnitten. Dies wird in den nächsten beiden Tagen in Einzel-, Gruppen- und Mannschaftssitzungen mit den Spielern besprochen. Ein Trainer ist in einer solchen Situation von einer Aufgabe weitgehend entlastet: der psychologischen Aufbauarbeit. Das hat der Erfolg übernommen. Eher muss er darauf achten, dass die Freude die Spieler nicht ablenkt von ihren Aufgaben.

Eines aber wird immer wichtiger: in der Mannschaft darf keine Personaldiskussion aufkommen. Es gibt Euphoriker, die man bremsen muss, und Skeptiker, meist Auswechselspieler, die es zu motivieren gilt. Am dankbarsten sind für jeden Trainer die Realisten. Mit ihnen lässt sich eine Strategie am Besten besprechen. Im Training selbst wird die Mannschaft auf besondere Situationen vorbereitet, etwa das Elfmeterschießen. Dabei lässt sich gut durch kleine Wettbewerbe etwas Stress simulieren, zum Beispiel: Wer von drei Elfern nur zwei verwandelt, macht hundert Liegestütze extra.

Und dann ist es soweit. Jeder weiß: Ein Endspiel zu erreichen, das ist das Größte. Es zu gewinnen, ist – unbezahlbar!

Der Fußballlehrer Christoph Daum analysiert an dieser Stelle täglich die WM.

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