Volleyball : Der Diaspora entkommen

Auch wenn der SSC Charlottenburg sich den ersten Satz holte - schlussendlich war für die Volleyballer des VfB Friedrichshafen dann alles wie immer: Sie siegen und siegen, die Konkurrenz staunt und staunt.

Karsten Doneck

Berlin - Keine 20 Minuten dauerte das Martyrium. Dann hatte der sieggewohnte VfB Friedrichshafen den ersten Satz verloren. Unfassbares stand da auf der Anzeigetafel der Sömmeringhalle: 13:25. Der Champions-League-Sieger war vorgeführt worden, die vermeintliche Übermannschaft vom Bodensee war vom SC Charlottenburg nach allen Regeln der Volleyball-Kunst zerpflückt worden. Die noch schlimmere Schmach ließ sich indes abwenden. Friedrichshafen gewann das Pokal-Halbfinale beim SCC im vorigen Jahr, zwei Tage vor Heiligabend, trotz des Katastrophen-Starts noch mit 3:1 Sätzen. Alles war dann schlussendlich wie immer: Friedrichshafen siegt und siegt, die Konkurrenz staunt und staunt.

National macht den Friedrichshafenern, die heute in der Serie „Best of five“ gegen den SC Charlottenburg in die Endspiele um die deutsche Meisterschaft starten, seit Jahren keiner etwas vor. 30 Pflichtspiele hat die Mannschaft in der Bundesliga und im deutschen Pokal in dieser Saison bestritten. Bilanz: 30 Siege, davon 20 mit 3:0. „Unser Erfolg ist kein Hexenwerk, sondern das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit“, sagt Stefan Mau, der Manager. Wer fürchtet, dass die Bundesliga durch die herausragende Stellung der Friedrichshafener an Brisanz und Spannung einbüßt, dem hält Mau entgegen: „Wir waren früher doch auch mal Volleyball-Diaspora.“

Früher arbeitete auch Stelian Moculescu noch nicht am Bodensee. Der Trainer, inzwischen beim VfB auch Sportdirektor, trat vor elf Jahren in Friedrichshafen an. Er schuf professionelle Strukturen. Seine Art ist gewöhnungsbedürftig. Moculescu ist als Volleyballtrainer hart und ehrgeizig, mitunter autoritär. Und ein absoluter Fachmann. Privat kommt er freundlich und umgänglich daher, mitunter auch mit subtilem Humor.

Der Volleyball-Erfolg in Friedrichshafen steht noch auf einer zweiten stabilen Säule: dem Geld. Der VfB Friedrichshafen gilt als der Krösus der Bundesliga. Auf 2,5 Millionen Euro wird der Etat des Meisters geschätzt. Das wäre rund dreimal so viel, wie dem Bundesliga-Zweiten SCC zur Verfügung steht. Auskünfte über die exakte Höhe verweigert der VfB beharrlich. Stefan Mau macht vielmehr eine andere interessante Rechnung auf. „Nehmen wir doch mal die Champions League. Da liegen wir, was die Etathöhe angeht, an 20. bis 24. Stelle“, sagt er. Dynamo Kasan aus Russland, aktueller Champions-League-Sieger, soll bereits mit weit über zehn Millionen Euro wirtschaften – pro Saison. Da kann auch der VfB nicht mithalten. Karsten Doneck

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