Volleyball-EM : Das deutsche Kraftpaket Georg Grozer ist zurück

Die deutschen Volleyballer setzen bei der EM in Polen auf ihren Starangreifer Georg Grozer. Am Freitag geht es zum Auftakt gegen Italien.

Immer feste drauf. Georg Grozer hat dem Nationalteam zuletzt gefehlt. Ohne ihren besten Spieler verpasste die Mannschaft erstmals seit 2002 wieder die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft.
Immer feste drauf. Georg Grozer hat dem Nationalteam zuletzt gefehlt. Ohne ihren besten Spieler verpasste die Mannschaft erstmals...Foto: Vassil Donev/dpa

Wenn man die hinteren Sitzreihen im Bus als die besseren begreift, dann hat Georg Grozer in der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft einen hohen Status. Als Grozer nämlich Anfang der Woche ein Selfie von der Anreise des deutschen Volleyball-Nationalteams zur Europameisterschaft nach Polen postete, saß er – ganz hinten. Direkt vor ihm fläzten sich die anderen erfahrenen Spieler wie Kapitän Lukas Kampa und Außenangreifer Christian Fromm. Ganz vorne im Bus saßen die jungen Spieler wie Tobias Krick und Ruben Schott.

Die Hierarchie in der Nationalmannschaft ist klar. Ebenso klar ist auch, dass die deutschen Hoffnungen bei der EM vor allem auf Grozer lasten. Die Mannschaft von Bundestrainer Andrea Giani bestreitet am Freitag (20.30 Uhr) in Stettin gegen den Olympiazweiten Italien ihr Auftaktspiel des Turniers. Die weiteren Gegner in der Vorrundengruppe sind Tschechien am Sonntag und die Slowakei am Montag. Grozer ist der unumstrittene Star des deutschen Teams, der bekannteste deutsche Volleyballspieler. Er ist ein 2,01 Meter großes Kraftpaket, ausgestattet mit enormer Schlaghärte und Präzision.

Umso glücklicher ist Bundestrainer Giani, dass der Diagonalangreifer vom russischen Spitzenklub Nowosibirsk nun in Polen seine Mannschaft anführt. „Es ist wichtig, dass ein Spieler, der so fundamental wichtig für das Team ist, bei der EM dabei ist“, sagt der Italiener. „Georg bringt sehr viel Energie in die Mannschaft.“ Grozers Energie, Grozers Selbstbewusstsein und Grozers Qualität hatte das Nationalteam zuletzt schmerzlich vermisst. Im Juli in Belgien beim letzten Qualifikationsturnier für die Weltmeisterschaft 2018 scheiterte der amtierende WM-Dritte und verpasste erstmals seit 2002 die WM. Grozer fehlte aus familiären Gründen.

Grozer spielt beim russischen Spitzenklub Nowosibirsk

Nachdem er in der vergangenen Saison wegen finanziell lukrativer Angebote in Schanghai und dann noch für einen Klub in Katar gespielt hatte, wollte der 32-Jährige endlich mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Aus diesem Grund hatte Grozer im Januar 2016 auch nach der verpassten Olympia-Qualifikation verkündet, er wolle eine zweijährige Pause von der Nationalmannschaft einlegen. Mindestens.

Doch im Mai kehrte er wieder ins Team zurück – und das lag vor allem an dem neuen Bundestrainer Giani. „Vor ihm, einem ehemaligen Weltklassespieler, habe ich extrem viel Respekt. Ich bin begeistert von seiner Arbeit als Trainer. Er beobachtet sehr viele Kleinigkeiten, so kann auch ich etwas Neues lernen, obwohl ich nicht mehr der Jüngste bin“, betont Grozer und ergänzt grinsend: „Außerdem passt sein Stil zu mir: Draufhauen.“

Grozers Wucht kann Giani bei der EM gut gebrauchen. Denn der Bundestrainer braucht dringend einen Erfolg mit der Nationalmannschaft, nachdem die WM- Qualifikation sowie der Aufstieg in die zweite Gruppe der World League in diesem Sommer misslangen. Das Viertelfinale sollte es bei der EM nun mindestens werden. „Das Wichtigste ist: Wir müssen als Team weiter gut zusammenwachsen“, sagt Grozer. „Denn die Mannschaft ist mit den vielen jungen Spielern im Umbruch. Manchmal ist die Nervosität einfach noch zu groß. Da versuche ich, die Jungs mit meiner Erfahrung weiter anzutreiben.“

Trotz all der Erfolge, die er schon mit dem Nationalteam errungen hat – sei es Bronze bei der WM 2014 oder der fünfte Platz bei den Olympischen Spielen 2012 in London –, wünscht sich Grozer noch mehr. „Ich habe natürlich noch Träume von Olympia“, sagt er. „Und ich habe noch zwei bis vier gute Jahre vor mir.“ Bis zu Tokio 2020 würde das also genau passen. Die EM in Polen soll nun ein erster Schritt auf dem langen Weg dorthin sein.

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