Volleyball Frauen : Gute Laune schlägt Ratlosigkeit

Deutschlands Volleyballerinnen erreichen durch ein 3:0 gegen den Titelverteidiger aus Italien das EM-Finale - erstmals seit der Wiedervereinigung. Ausschlaggebend war erneut eine beeindruckende Teamleistung.

Klaus Wegener
Erstmals seit der Wiedervereinigung steht die Frauennationalmannschaft im Volleyball im Finale einer Europameisterschaft.
Erstmals seit der Wiedervereinigung steht die Frauennationalmannschaft im Volleyball im Finale einer Europameisterschaft.Foto: dapd

Es ist der ganz große Wurf geworden: Deutschlands Volleyballerinnen stehen erstmals seit der Wiedervereinigung in einem Europameisterschaftsfinale. Gegen Italien, Europameister der Jahre 2007 und 2009 gelang ihnen in der Belgrader „Pionior Hal“ ein 3:0 (25:22, 25:22, 25:17). Am Sonntag treffen die Deutschen um 18 Uhr im Finale auf Mitgastgeber Serbien, der im zweiten Halbfinale am Samstagabend die Türkinnen in fünf Sätzen mit 3:2 (25:10, 25:22, 23:25, 23:25, 15:12) besiegte. In der Vorrunde hatten die Deutschen Serbien 3:1 besiegt.
„Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“, sagte ein überglücklicher Bundestrainer. Giovanni Guidetti hatte keine Gewissensbisse, als Italiener seiner Heimat die Hoffnung auf den dritten EM-Titel in Folge vermiest zu haben. „Italien ist mein Heimatland, aber mein Herz schlägt für diese Mannschaft, die ich über alles liebe.“ Und die nach diesem Triumph auch das Zeug hat, erstmals eine Goldmedaille zu gewinnen. Bislang stehen Bronzemedaillen in den Jahren 1991 und 2003 in der Bilanz. Dem DDR-Team gelang 1987 der Europameistertitel. „3:0 gegen Italien im Halbfinale der EM. Das war das beste Spiel, das wir jemals gemacht haben“, sagte Guidetti.
Deutschland war als das einzige noch ungeschlagene Team in die Runde der besten Vier gegangen, bei nur einem Satzverlust gegen Gastgeber Serbien. Italien hatte sich eine Vorrunden-Niederlage gegen die Türkinnen geleistet, die im Viertelfinale sogar Weltmeister Russland ausgeschaltet haben.
Ausschlaggebend für den Coup gegen die favorisierten Italienerinnen war erneut eine beeindruckende Teamleistung. Es war das Duell einer „Gute-Laune-Combo“ gegen eine ratlose italienische Mannschaft. In keiner Phase fand Italien, Sieger im EM-Halbfinale 2009 gegen Deutschland mit 3:1, ein Mittel, um den Lauf der Deutschen auch nur ansatzweise zu unterbrechen. Einzig im dritten Satz, als es bis zum 11:9 eine kleine Führung für den Titelverteidiger gab, schien es, als müsse doch irgendwann mal der deutsche Druck nachlassen. Doch dank zweier Blockpunkte von Maren Brinker und Corina Ssuschke-Voigt drehte die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes den Spieß um zum 12:11. Guidetti hatte seinen Spielerinnen in Auszeiten immer wieder eingetrichtert: „Wir sind gut. Wir sind besser.“
Die Zuversicht wurde belohnt, von 15:15 zog das Team um die überragende Kapitänin Margareta Kozuch davon auf 25:17. Der letzte Punkt war wieder einmal Angelina Grün vorbehalten, die im Halbfinale ihr 280. Länderspiel bestritt. Es ist schon jetzt das Comeback des Jahres in der Volleyballszene und sie selbst kann am Sonntag für eine goldene Krönung sorgen. 2003 stand sie mit Libero Kerstin Tzscherlich und Mittelblockerin Christiane Fürst im Bronzeteam bei der EM 2003.

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