Sport : Volleyball: Immer wieder Friedrichshafen

Karsten Doneck

Die Frage bringt Kaweh Niroomand ins Grübeln. Der Mann, der so viel über Volleyball weiß, kramt in seinem Gedächtnis. Bei der Antwort flüchtet er sich schließlich ins Allgemein-Unverbindliche. "Das ist schon eine ganze Weile her", sagt er, als jemand von ihm wissen will, wann der SC Charlottenburg das letzte Mal gegen den VfB Friedrichshafen gewonnen hat. Zur Erinnerung: Am 31. Oktober 1999 hat der SCC die Volleyball-Überflieger vom Bodensee letztmals bezwungen. Knapp mit 3:2. Danach gab es für die Charlottenburger gegen diesen Kontrahenten ein halbes Dutzend Niederlagen, die letzten fünf jeweils mit 0:3. Wenn sich nun beide Mannschaften heute (19 Uhr, Sömmeringhalle) zum ersten von maximal drei Spielen des Play-off-Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft wiedersehen, dann braucht über die Favoritenrolle also nicht lange schwadroniert zu werden.

Um die schwarze Serie jetzt endlich zu beenden, appelliert Kaweh Niroomand, der SCC-Manager, an den Teamgeist. "Unser Spiel darf nicht zu einer One-Man-Show ausarten", sagt er. Das Niveau des SCC steigt und fällt vor allem mit der Leistung von Nationalspieler Marco Liefke. Die Formel klingt recht simpel: Ist Liefke stark, ist auch der SCC stark. Und wenn Liefke dann mal einen seiner seltenen schwachen Tage erwischt, kann man auch den Rest der Mannschaft getrost vergessen. Niroomand würde im Halbfinale gerne die Last gerechter verteilt sehen. "Oliver Heitmann und Gabriel Krüger müssen Liefke entlasten", fordert er. Sicher leichter gesagt, als getan.

Friedrichshafens Erfolge sind eng mit dem Namen Stelian Moculescu verknüpft. Dem VFB-Trainer zollt auch Niroomand höchstes Lob. Moculescu sei "ein hervorragender Fachmann, der kennt die Szene und kauft exzellent ein", sagt der Manager. Was läge da näher, als Moculescu mal langsam einen Wechsel nach Berlin schmackhaft zu machen? Um halt die Machtverhältnisse umzukehren. "Mit unseren bescheidenen finanziellen Mitteln sind wir für ihn doch uninteressant", meint Niroomand. Der SCC wirtschaftet in dieser Saison mit knapp einer Million Mark, im volleyball-begeisterten Friedrichshafen soll der Etat angeblich doppelt so hoch sein.

Sollte für den SCC, was zu erwarten ist, mit dem Halbfinale Saisonschluss sein, dann "wird bei uns nicht gleich die große Trauer ausbrechen", meint Niroomand. Aber die große Abrechnung wird kommen. Zu enttäuschend verlief die Saison. Nur Fünfter nach Abschluss der Bundesliga-Hauptrunde, im deutschen Pokal vorzeitig gescheitert und im Europacup zum Teil deftige Niederlagen kassiert - da kündigt Niroomand schon mal vorsorglich an: "Wir werden diese Saison kritisch durchleuchten." Klar, dass die Kritik weitaus milder ausfallen würde, wenn denn VfB Friedrichshafen ausgeschaltet werden sollte.

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