Volleyball : Nach dem Strandausflug zur EM

Björn Andrae führt die deutschen Volleyballer an. Mit ihm im Team, so die Überzeugung, steigen die Aussichten auf eine erfolgreiche EM.

Felix Meininghaus
Andrae
Überflieger. Björn Andrae ist der gefährlichste Angreifer der Deutschen. -Foto: dpa

Berlin - Sonntagabend ist Björn Andrae in der Sportschule Kienbaum eingetroffen. Glücklich, aber ziemlich kaputt. Deutschlands bester Volleyballer hatte sich bei den Kollegen der Strandabteilung versucht und war bei den deutschen Meisterschaften nur haarscharf an einer Sensation vorbeigeschrammt. Im Finale vergaben Andrae und sein Kollege Marcus Popp gegen die Weltmeister Brink/Reckermann zwei Matchbälle. Trotz dieses Erfolgs hielt sich die Begeisterung von Bundestrainer Raul Lozano in engen Grenzen: Dem Argentinier wäre es wesentlich lieber gewesen, wenn sich Andrae mit der Mannschaft auf die heute beginnende EM in der Türkei vorbereitet hätte.

Lozano gilt als prinzipientreu, doch in diesem Fall war er klug genug, sich mit dem Kompromiss zu arrangieren. Schließlich ist der Außenangreifer Andrae sein bester Mann. Bei der erfolgreichen WM-Qualifikation in Finnland hatte der Italien-Legionär seinen Strandausflug unterbrochen und sofort Weltklasseleistungen gezeigt. Nun soll er Ähnliches in der Türkei leisten. Kein Problem, versichert der 224-malige Nationalspieler: „Der Wechsel von Beach und Halle macht mir nicht viel aus. Und dass ich jetzt mehr im Sand spiele, hat den Vorteil, dass meine Knieschmerzen nachgelassen haben.“

Mit Björn Andrae im Team, so die Überzeugung, steigen die Aussichten auf eine erfolgreiche EM. Doch die Zuversicht, dass die deutschen Volleyballer in Izmir bleibenden Eindruck hinterlassen werden, ist in den vergangenen Monaten sowieso schon kontinuierlich gewachsen. Das Team hat erstmals die Euro Liga gewonnen, sich die Startberechtigung für die WM erschmettert und zudem beste Voraussetzungen erarbeitet, in die lukrative Weltliga zurückzukehren. Mit einer solch glänzenden Bilanz war im Jahr eins nach dem Abschied von Bundestrainer Stelian Moculescu kaum zu rechnen.

Wer nach den Ursachen für den Boom fragt, hört zumeist einen Namen: Raul Lozano. Ein weltweit renommierter Fachmann, der dennoch mit Skepsis empfangen worden war. Der 52-Jährige spricht kein Deutsch, und im Winter, wenn in Deutschland die Liga läuft, kehrt er zudem in die Heimat zurück. Dennoch hat sich der Südamerikaner bislang als Glücksgriff erwiesen. „Das ganze Konzept, mit dem er hier agiert, wirkt unheimlich durchdacht“, sagt Andrae. Vor allem in Block und Abwehr habe die Mannschaft vom technischen und taktischen Verständnis Lozanos profitiert. Zudem hat der Neue den Vorteil, im neuen Umfeld gänzlich vorurteilsfrei zu agieren. „Lozano hat keinen Verein“, sagt DVV-Präsident Werner von Moltke, „er stellt immer die auf, die gerade die Besten sind.“ Ein Seitenhieb Richtung Moculescu, dessen Doppelfunktion für den Verband und den VfB Friedrichshafen von vielen kritisch beäugt worden war. Allerdings hatte Moculescu auch als Bundestrainer hervorragende Arbeit geleistet. Dass von Moltke nachtritt, überrascht nicht. Moculescu hatte ihn oft massiv kritisiert. Auch wegen des DVV-Chefs hatte Moculescu, einer der erfolgreichsten Vereinstrainer der Welt, als Bundestrainer nach den Olympischen Spielen 2008 aufgehört.

Vergangenheit. Jetzt zählt die EM. Lozano will Platz fünf, um sich die nächste EM-Qualifikation zu ersparen. Andrae aber will mehr: „Bislang war Platz vier die beste EM-Platzierung einer deutschen Mannschaft. Das kann man ändern.“

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