Volleyball-Nationalspieler im Interview : Georg Grozer: "Wir sind jetzt erwachsen"

Der deutsche Volleyball-Nationalspieler Georg Grozer über die Entwicklung seines Teams zum Medaillenkandidaten bei der WM in Polen und den letzten Schritt ins Finale.

Lars Becker
Georg Grozer, 29, hat mit der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft sensationell das Halbfinale der WM in Polen am Sonnabend erreicht. Der gebürtige Ungar kam 2002 nach Deutschland und spielt seit 2007 für das Nationalteam. Foto: dpa
Georg Grozer, 29, hat mit der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft sensationell das Halbfinale der WM in Polen am Sonnabend...Foto: dpa

Herr Grozer, Sie saßen nach dem 3:0 gegen den Iran und dem Einzug ins WM-Halbfinale fassungslos auf dem Spielfeld in Katowitz. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Ich hatte Tränen in den Augen, das war so ein emotionaler Moment. Wir haben nach dem 0:3 gegen Frankreich eine unglaubliche Reaktion gezeigt. Und haben mit dem Einzug ins Halbfinale einen großen Schritt Richtung Medaillentraum gemacht. Aber wir sind noch nicht angekommen.

Sie waren mit 23 Punkten der Matchwinner bei diesem entscheidenden Spiel. War das vielleicht eines der besten Spiele in Ihrer Karriere?

Das ist schwierig zu sagen. Damals, als wir die Olympia-Qualifikation klargemacht haben, war es auch ein extrem wichtiges Spiel. Ich habe nur immer versucht, die Mannschaft voranzubringen und zu pushen. Allein kann ich nicht gewinnen, außerdem ist dieses Weltmeisterschaftsturnier extrem lang und ich kann auch nicht mehr so hart schmettern. Man kann das als Team nur zusammen schaffen. Wir sind als Mannschaft bei dieser WM immer positiv zusammengeblieben und nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden.

Ist das der Unterschied zu dem Team, das bei den Olympischen Spielen 2012 und der Europameisterschaft 2013 im Viertelfinale ausgeschieden ist?

Wir sind erwachsen geworden. Man darf ja nicht vergessen, dass wir noch eine junge Mannschaft sind, ich bin mit 29 der zweitälteste Spieler. Aber alle haben in den letzten Jahren wichtige Erfahrungen gesammelt, zumeist in internationalen Topligen. Und wir haben angefangen, alle wirklich an uns zu glauben.

Sie haben in dieser Saison mit Ihrem Verein Belogorie Belgorod schon zwei ganz große internationale Titel gewonnen: Die europäische Champions League und die Klub-Weltmeisterschaft. Was würde eine WM-Medaille mit dem deutschen Nationalteam für Sie bedeuten?

Das ist ein großer Traum von mir, und gewöhnlich erfülle ich mir meine Träume ganz gut. Eine Medaille wäre auch ein kleines Dankeschön dafür, dass ich als Ungar in der deutschen Nationalmannschaft spielen darf. Viel Zeit dafür bleibt ja nicht mehr: Ich habe meiner Frau und den Kindern versprochen, dass nach den Olympischen Spielen 2016 Schluss mit meiner Karriere im Nationalteam ist.

Sie haben schon vor der WM gesagt, dass selbst ein großer Erfolg des Nationalteams den Stellenwert des Volleyballs in Deutschland nicht entscheidend verändern würde.

Für die Spieler gibt es schon Veränderungen. Wenn du eine gute WM spielst, machst du dich für Klubs interessant und kannst vielleicht mehr Geld verdienen. Ich glaube aber nicht, dass sich für den Sport selbst viel ändert. Da braucht man sich nur das Beispiel Handball anzuschauen: Deutschland ist Weltmeister geworden, aber was spürt man jetzt noch davon? Ich will die Medaille vor allem auch für den Volleyball-Nachwuchs in Deutschland. Mein kleiner Bruder zum Beispiel soll auch mal für die deutsche Nationalmannschaft spielen und dann sollen die Bedingungen noch besser als jetzt sein.

Wer wird Sie denn von der Familie bei den Finalspielen unterstützen?

Es ist ja extrem schwierig, Tickets für die Finalspiele zu bekommen, auch das ist eine ganz neue Situation. Ich hoffe aber, dass zumindest meine Frau und meine Töchter dabei sein können. Wenn sie dabei sind, muss ich einfach gut spielen. Und dann hoffe ich einfach, dass wir uns alle unseren großen Traum erfüllen. Es ist nur noch ein Schritt zu gehen.

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