Sport : Vom Aussterben bedroht

Beim 1. FC Union könnte sich die Zeit von Kapitän Torsten Mattuschka dem Ende nähern – in Kaiserslautern gehörte er nicht mehr zur Startelf.

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Unzufrieden. Unions Trainer Neuhaus haderte zuletzt mit Mattuschka. Foto: dapd
Unzufrieden. Unions Trainer Neuhaus haderte zuletzt mit Mattuschka. Foto: dapdFoto: dapd

Torsten Mattuschka wusste, was auf ihn zukommt. Also lächelte er in die Kameras. Wenn der Kapitän zu Spielbeginn nur auf der Bank sitzt, sorgt das immer für Aufregung. Auch beim 1. FC Union. Zum Saisonauftakt in Kaiserslautern gehörte Mattuschka nicht zur Startformation, beim 3:3 durfte er nur in den letzten Minuten mitwirken. Es könnte sein, dass der 31-Jährige in dieser Saison eine Tradition fortsetzt; in den vergangenen Jahren hat die Binde ihrem Träger in Köpenick nicht immer Glück gebracht. Die Ex-Kapitäne Daniel Schulz (heute SV Sandhausen) und Marco Gebhardt (inzwischen Trainer von Grün-Weiß Lübben) verloren neben dem Amt in der Folgezeit auch ihren Arbeitsplatz beim 1. FC Union. „Den Kapitän draußen zu lassen, ist keine einfache Entscheidung. Natürlich muss man doppelt und dreifach überlegen“, sagte Trainer Uwe Neuhaus. „Da muss man vorsichtig sein. Aber die Leistung zählt. Da ist es egal, wie der Spieler heißt und auf welcher Position er spielt.“

Mattuschka ist bei Union für das Kreative im Mittelfeld verantwortlich und auf das Ausführen von Frei- und Eckstößen und das Verbreiten guter Laune spezialisiert. In Kaiserslautern bekam aber der sieben Jahre jüngere Tijani Belaid den Vorzug. Der Tunesier rechtfertigte seinen Einsatz mit zwei sehenswerten Zuspielen, die Michael Parensen und Patrick Zoundi auf dem Betzenberg die Treffer zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung ermöglichten.

Die gesamte Vorbereitung über hatte Belaid nicht außergewöhnlich gut gespielt, doch unmittelbar vor dem Saisonstart profitierte er offensichtlich von einer Schwächephase Mattuschkas. „In den Testspielen gegen Edinburgh, Eindhoven und unsere U 23 wollte Torsten in die Zweikämpfe, kam aber nicht hinein. Wir wissen nicht genau, woran es liegt“, sagte Neuhaus. „Wir haben darüber gesprochen. Torsten hatte auch das Gefühl. Er war enttäuscht, dass er nicht spielen sollte. Es war aber kein völliges Unverständnis.“

Nach 80 Minuten wurde Mattuschka für Belaid eingewechselt. Kurz darauf ging Kaiserslautern 3:2 in Führung, ehe Marc Pfertzel in der Nachspielzeit ausglich. Nach dem Abpfiff bedankte sich Mattuschka artig bei den mitgereisten Fans. Dabei wirkte er nachdenklich. Für die von ihm erhoffte Vertragsverlängerung war das Spiel in Kaiserslautern kein Fortschritt. Mattuschka benötigt in dieser Saison im Idealfall 24 Spiele mit je 45 Minuten Mindesteinsatzzeit, damit sich sein 2013 auslaufender Vertrag automatisch verlängert. Aber noch ist er nicht komplett aus der Mannschaft. „Wir wollen sehen, dass wir ihn als Kapitän bald wieder an Bord haben. Ich werde ihm dabei helfen“, sagte Neuhaus. „Er muss mit anpacken. Wenn er seine Form hat, ist er schon ein ganz wichtiger Spieler für uns.“

Allerdings gehört Mattuschka zur aussterbenden Spezies jener Akteure, die schon vor dem Amtsantritt von Neuhaus im Sommer 2007 das Trikot des 1. FC Union trugen. Die drei anderen sind Torwart Jan Glinker sowie die beiden Verteidiger Christian Stuff und Daniel Göhlert. Glinker und Stuff saßen in Kaiserslautern zunächst neben Mattuschka auf der Bank. Göhlert war nicht mal im Kader. Er spielt in den Planungen von Neuhaus keine Rolle mehr.

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