Sport : Vom Schnee verweht

Bei der Rallye Dakar gab es viel Durcheinander – Stéphane Peterhansel steht vor seinem zehnten Sieg.

Hanna Krabbe[Nasca]
Kühl im Chaos. Stéphane Peterhansel in seinem Mini. Foto: Reuters
Kühl im Chaos. Stéphane Peterhansel in seinem Mini. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Vom ersten Tag an gab es bei der Rallye Dakar Unfälle. Gleich auf der ersten Etappe brannte der Volvo von Alfie Cox und seinem deutschen Kopiloten Jürgen Schröder völlig aus. Zudem kam ein 38-jähriger argentinischer Motorradpilot nach einem Sturz ums Leben. Sogar für die sich selbst gern als das sogenannte „letzte große Abenteuer“ titulierende Veranstaltung war das ein trauriger Einstieg. Nur wenige Tage später musste auch noch das deutsche Duo Mathias Kahle und Thomas Schünemann nach einem Motorschaden aufgeben und in die Heimat zurückfliegen.

Doch die Rallye Dakar 2012 hat auch schönere Geschichten zu bieten. An der Spitze fanden sich schnell einige Piloten, die um den Sieg kämpften – ohne nennenswerte Überraschungen. Da waren Stéphane Peterhansel, der im Mini und mit seinen neun Dakar-Siegen immer zu den Favoriten gehört und seine beiden Teamkollegen Nani Roma und Krzysztof Holowczyc. Im Hummer gesellten sich der US-Amerikaner Robby Gordon und der aktuelle Dakar-Sieger Nasser Al Attiyah dazu. Im Toyota fuhren Giniel Devilliers mit seinem deutschen Kopiloten Dirk von Zitzewitz und der Argentinier Orlando Terranova mit.

Der erste, der unter kuriosen Umständen ausschied, war Terranova. Er hatte sich am fünften Tag mit seinem Kopiloten Andy Grider so verkracht, dass diesem schlichtweg die Lust verging und er seinem Team Overdrive mitteilte, dass er nach Hause fahren wolle. Was er auch tat und Terranova damit aus dem Rennen war. Allerdings gilt der Argentinier innerhalb des Biwaks nicht gerade als ein pflegeleichter Mensch. So war schon sein vorheriger Beifahrer Lucas Cruz vor der Dakar zu Al Attiyah geflüchtet. „Das ist eine verrückte Geschichte, die ich so noch nie erlebt habe“, sagte sogar Teamchef Jean-Marc Fortin.

Doch Ähnliches passierte bei Al Attiyah. Der Katari hatte in der ersten Woche immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen und verlor bald den Anschluss an die Spitze. Jedoch traute man ihm durchaus zu, diesen wieder herzustellen. Bis zum neunten Tag. Da traten mal wieder Probleme – dieses Mal mit dem Keilriemen – auf. Al Attiyah hatte genug, brach die Prüfung ab und fuhr auch nach Hause.

Aber auch sein Teamchef und Teamkollege Gordon hatte seinen großen Auftritt. Er wurde am gleichen Tag in Iquique disqualifiziert, an dem Al Attiyah aufgegeben hatte. Gordon hatte sich eine Möglichkeit geschaffen, den Motor zusätzlich mit Luft zu versorgen und damit dessen Leistung unerlaubt gesteigert. Der Sunnyboy ging in Berufung und durfte damit weiter am Rennen teilnehmen, da dieses System nach seinen Aussagen von den Verantwortlichen der Dakar abgenommen wurde. „Ich bin dieses System schon vergangenes Jahr gefahren und da war es noch legal“, so Gordon. „Jetzt haben sie ihre Meinung geändert.“ Zudem ließ er keine Gelegenheit aus, gegen die Minis aus dem X-raid-Team zu pesten. Die Berufungsverhandlung steigt in den nächsten Wochen vor der FFSA, dem französischen Automobilklub. Allerdings brach ihm auf der 13. Etappe die Kardanwelle und sein Rückstand auf Peterhansel vergrößerte sich auf zwei Stunden.

Vor der letzten Etappe der Rallye in Südamerika führte somit der Franzose Peterhansel mit über 40 Minuten Vorsprung auf seinen Teamkollegen Roma und über einer Stunde auf Devilliers. Die Chancen stehen also gut, dass Peterhansel am Abschlusstag am heutigen Sonntag seinen zehnten Dakar-Sieg einfährt und damit seinen Rekord weiter ausbaut.

Doch die Dakar schrieb auf einem anderen Gebiet bereits Geschichte: zum ersten Mal musste eine Etappe wegen Schneefalls abgesagt werden. In den Anden hatte es am Abend des 5. Januar so stark geschneit, dass die Veranstalter alle Rennwagen im Konvoi nach Chile brachten. Zumal man sich bis wenige Stunden vor Abfahrt noch nicht sicher war, ob der Paso San Francisco überhaupt befahrbar sei. Langeweile kam in den 14 Tagen durch Argentinien, Chile und Peru also nicht auf.

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