Sport : Vom Weltbesten zum Weltmeister

Mit Spanien gewinnt das stärkste Team des Turniers. Die Härte der Holländer macht dem Favoriten im Finale zu schaffen, das 1:0 gelingt erst in der Verlängerung. Der Europameister ist zum ersten Mal Weltmeister

von
Kunst und Kung-Fu.
Kunst und Kung-Fu.Foto: dpa

Die beste Technik, die beste Taktik, und am Ende noch der größte Siegeswille – nach mehr als vier Wochen hat diese Weltmeisterschaft einen würdigen Titelträger gefunden: Spanien. Gegen das harte Spiel der Holländer konnten die Spanier zwar im Finale nicht ihre schönste Leistung zeigen, sondern nur eine kampfbetonte. Doch in der Verlängerung gelang ihnen das verdiente 1:0 vor 84 490 Zuschauern in Soccer City von Johannesburg. Der Europameister ist nun auch Weltmeister, zum ersten Mal. Was mit einer Pleite für den großen Favoriten begonnen hatte, mit einem 0:1 im ersten Gruppenspiel gegen die Schweiz, endete nun in einem Meer aus Glückstränen.

In der Anfangsphase schien auch Deutschland noch mitzuspielen in diesem Finale. Die Holländer begannen jedenfalls, als hätten sie bei der Videoauswertung des Halbfinales zwischen Deutschland und Spanien nicht genau hingesehen. Und ließen die Spanier genauso wie die Deutschen ihren Kombinationsfußball spielen. Wieder vor allem über die starke rechte Seite der Spanier mit Sergio Ramos. Ihn zog es nach wenigen Minuten auch ins Zentrum, seinen gefährlichen Kopfball konnte Hollands Torwart Maarten Stekelenburg gerade noch zur Ecke lenken. Kurze Zeit später landete ein Schuss von David Villa am Außennetz. Der Favorit dieses Finales hatte sich vorgestellt.

Nach diesen Chancen suchte Holland einen Ausweg aus dieser Blaupause. Und fand einen ziemlich hässlichen. Durch Härte. Mark van Bommel trat gleich zweimal zu und hatte Glück, dass er bei seinem zweiten Foul nur die Gelbe Karte sah. Noch größeres Glück hatte Nigel de Jong. Er sprang mit gestrecktem Bein Xabi Alonso in die Brust, als der Ball schon längst weit weg war. Die Gelbe Karte war eine niedliche Reaktion von Schiedsrichter Howard Webb auf diesen Tritt aus dem Kampfsport.

Diese Angriffe wollten die Spanier nicht mehr nur mit friedlichen Mitteln beantworten und standen ihren Gegnern nun ebenfalls auf den Füßen. Mit schönem Kombinationsfußball war es auf jeden Fall erst einmal vorbei. Zumal sich beide Mannschaften auch noch eines anderen taktischen Werkzeugs besannen: des Pressings. So war in der Endphase der ersten Halbzeit das zu beobachten, wofür das Fußballwörterbuch den Ausdruck „gegenseitig neutralisieren“ bereithält.

Wenigstens der letzte Eindruck vor der Pause war ein guter, als Arjen Robben noch eine Chance für Holland herausspielte, auf die ihm eigene Weise. Er legte sich den Ball auf seinen linken Fuß vor und zog von der Strafraumgrenze ab – die bis dahin größte Herausforderung für Torwart Casillas, der den Ball abwehrte.

Fünfzehn Minuten Pause schienen zunächst zu kurz, um das Spiel zu verändern. Als nicht einmal eine Stunde gespielt war, hatten schon fünf Holländer die Gelbe Karte gesehen. Das Finale kam danach jedoch allmählich wieder in Fahrt, und Robben hatte sogar die Führung auf dem Fuß. Ein steiles Zuspiel von Wesley Sneijder ließ Robben auf einmal allein vor Casillas auftauchen. Die beste Torgelegenheit. Robben also gegen Casillas. Der Niederländer schießt – Casillas fällt zur Seite. Doch mit seinem rechten Fuß wehrt er den Ball noch ab.

Es war der Auftakt zu einer Serie von Chancen auf beiden Seiten. David Villa scheiterte knapp an einem ausgestreckten Bein der Holländer, Sergio Ramos kam nach 75 Minuten so ungestört zum Kopfball, als würden ihm die Holländer rein gar nichts zutrauen. Und wenig später war es dann auf der anderen Seite wieder Robben, der dieses Finale um ein Tor hätte bereichern können. Sein Sturmlauf endete erneut bei Casillas. Der Offensivspieler des FC Bayern München hätte alles längst alleine entschieden haben können. Doch wie beim WM-Finale vor vier Jahren gab es eine Verlängerung.

Die hatte den Titel Zugabe wirklich verdient, weil sich beide Mannschaften um das Siegtor bemühten. Große Aufregung gab es, als gleich drei Spanier bei einem Angriff im Gewusel umfielen, Xavi sogar im Strafraum – und Schiedsrichter Webb dennoch nur auf Ecke entschied.

Die beiden Finalisten rannten nun den Rasen rauf und runter, Fabregas hätte für Spanien treffen können, Augenblicke später auch Robben für Holland. Im offenen Schlussduell wollte sich Andres Iniesta zunächst jedoch nicht früh genug vom Ball trennen und ließ ihn sich von Giovanni van Bronckhorst abluchsen.

Im schnellen Hin und Her wusste sich John Heitinga schließlich nur noch mit einem Foul gegen Iniesta zu helfen und musste in der 109. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Als einiges auf das Elfmeterschießen zulief, dribbelte Jesus Navas über das halbe Feld, der Ball schien schon fast verloren zu sein – und fand doch irgendwie von Fabregas zu Iniesta, der freie Schussbahn hatte und das erlösende Tor erzielte.

Der Sieg war verdient. In diesem Spiel und diesem Turnier.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben