Sport : Von Europa nach Berlin

Nach den EM-Erfolgen müssen sich die deutschen Athleten beim Istaf beweisen

Friedhard Teuffel

Berlin - Wenn sich die deutschen Leichtathleten ganz ungeschickt anstellen, dann befällt sie schon beim Fest ein Kater. Sie kommen schließlich am Sonntag in bester Stimmung ins Berliner Olympiastadion zum Internationalen Stadionfest, kurz Istaf, weil sie im August bei den Europameisterschaften in Göteborg überraschend erfolgreich abgeschnitten hatten. Viermal Gold, viermal Silber, zweimal Bronze, das machte Platz zwei im Medaillenspiegel hinter Russland. Am Sonntag jedoch erwartet sie nun nicht mehr nur die europäische Konkurrenz, sondern die Weltspitze. Wie viel wird dann noch von der guten Laune übrig bleiben? Oder wird die Laune vielleicht noch einmal steigen durch Erfolge gegen Athleten aus Übersee?

Für Kirsten Bolm etwa wird es eine besondere Herausforderung. In Göteborg ist sie über 110 Meter Hürden hinter der Schwedin Susanna Kallur Zweite geworden. Kallur hat zwar ihren Start für Sonntag wegen einer Verletzung abgesagt, aber dafür laufen neben Bolm nun die Olympiasiegerin Joanna Hayes und weitere Sprinterinnen aus den USA. Auch Thomas Blaschek hat in Göteborg über 110 Meter Hürden mit der Silbermedaille den bisher größten Erfolg seiner Karriere erreicht. In Berlin sprintet er nicht nur gegen den Europameister Stanislav Olijar aus Lettland, sondern auch gegen den früheren Olympiasieger und Weltmeister Allen Johnson aus den Vereinigten Staaten. Doch das Ziel ist nicht allein eine gute Platzierung. „Wieso soll Thomas Blaschek in Berlin nicht noch eine persönliche Bestzeit aufstellen?“, fragt Jürgen Mallow, der Leitende Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik- Verbandes.

Die Bewertungsmaßstäbe in der Leichtathletik sind ein Lieblingsthema von Mallow. Deutsche Athleten immer nur an den Weltbesten zu messen sei nicht sinnvoll, sie an Weltrekorden zu messen Blödsinn – gerade in Zeiten, in denen viele Bestleistungen wohl auf die Zuhilfenahme verbotener Mittel zurückzuführen sind. „Wenn man sich nicht immer an Rekorden orientiert, hätte man ein wichtiges Element des Sports zurückerobert: den Wettkampf“, sagt Mallow und kündigt für das Istaf an: „Wenn man sich an guten Wettkämpfen freuen will, wird man das sicher tun können.“ Ganz in seinem Sinne hatte schon der DLV-Vizepräsident Eike Emrich in Göteborg gesagt: „Der Athlet hat ein Recht auf Gegenwart.“ Und meinte damit: Ein Europameister ist ein Europameister und nicht ein Athlet, der gegen Amerikaner oder Afrikaner keine Chance hat.

Die Göteborger Gegenwart können die deutschen Athleten an diesem Wochenende ein bisschen verlängern. Schon am heutigen Sonnabend findet im Olympischen Dorf in Elstal der DKB-Cup statt und zwar in vier Disziplinen, in denen die deutschen Athleten derzeit besonders gut sind: Kugelstoßen und Stabhochspringen bei den Männern, Speerwerfen und Hürdensprinten bei den Frauen. Zwei Europameister und zwei Silbermedaillengewinner werden am Start sein: Ralf Bartels und Steffi Nerius, EM- Sieger im Kugelstoßen und Speerwerfen, sowie Stabhochspringer Tim Lobinger und Hürdensprinterin Kirsten Bolm.

Alle vier werden sie auch beim Istaf dabei sein, und sie zählen dabei genauso zum Favoritenkreis wie die Diskuswerferin Franka Dietzsch. Werfen und mit dem Stab hochspringen ist schließlich seit Jahren eine Stärke der Deutschen. In Göteborg sind neue Erfolge hinzugekommen, im Hürdensprint und über 10 000 Meter, als Jan Fitschen mit einem mitreissenden Schlussspurt den Titel gewann. Am Sonntag läuft er 3000 Meter und hat dabei nicht die starke afrikanische Konkurrenz zu fürchten, die das Rennen über 5000 Meter unter sich ausmachen wird.

Beim Istaf geht es Bundestrainer Mallow auch um die Zukunft. „Es ist eine Lernsituation“, sagt er und schaut damit schon drei Jahre voraus. 2009 finden im Olympiastadion die Weltmeisterschaften statt. „Unsere Athleten werden mit viel Vorfreude sehen: Mensch, das ist unser Stadion für die WM.“

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