Sport : Von höchster Stelle

Gestern gefeiert, heute verdächtigt – Sporthilfe-Chef Hans-Ludwig Grüschow hat mit der Staatsanwaltschaft zu tun

Robert Ide

Berlin - Der Saal war festlich ausgeleuchtet, die Tische waren reich gedeckt, auf der Bühne wurde musiziert. Hans-Ludwig Grüschow hatte alles perfekt vorbereitet für die Verleihung der „Goldenen Sportpyramide“ im Berliner Hotel Adlon. Der Vorstandschef der Stiftung Deutsche Sporthilfe schüttelte die Hände der geladenen Größen aus Sport, Wirtschaft, Politik. In seiner Rede dankte Bundesinnenminister Schily „dem lieben Herrn Grüschow“ für dessen „hervorragende Arbeit“. Das geschah an einem Freitag vor zwei Monaten.

Die Beamten packten Akten ein, die Computer ließen sie stehen. Grüschow war überrascht worden vom Besuch im Auftrag der Staatsanwaltschaft Dresden. Die Büros der Stiftung Deutsche Sporthilfe, gelegen in einem idyllischen Wohnviertel in Frankfurt am Main, wurden durchsucht, um Beweismaterial zu sichern. „Die Sporthilfe hat den Ermittlern sämtliche Unterlagen zur Verfügung gestellt“, hieß es in einer Erklärung. Das geschah am Dienstag dieser Woche.

Es geht um den Vorwurf der Korruption im Sportjournalismus. Ob Hans-Ludwig Grüschow, bislang bekannt als erfolgreicher Förderer des Sports, damit etwas zu tun hat, wird nun untersucht. Im Rahmen der Affäre um gekaufte Berichte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wächst bei Sportfunktionären die Befürchtung, dass Grüschow eine Arbeitsbeziehung zu einem Journalisten zum Verhängnis werden könnte. Wilfried Mohren, langjähriger Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), ist gefeuert worden und sitzt in Untersuchungshaft, da er angeblich gekaufte Sportberichte zu verantworten hat. Die entscheidende Frage in Sachen Grüschow: Hat auch er versucht, Mohren mittels Geld zu beeinflussen?

Fest steht: Grüschow hat sich wie kein Zweiter bemüht, das Anliegen der Sporthilfe, einer Art Sozialwerk für Spitzenathleten, öffentlich zu machen. Die Stiftung, gegründet um junge Sportler an die Spitze zu führen und sie durch ideelle Erziehung zu befähigen, „die Reputation des Sports in der Gesellschaft zu beeinflussen“, hatte sich zuletzt gut positioniert. Erst im Frühjahr dieses Jahres hatte Grüschow ein Eliteforum für junge Sportler ins Leben gerufen, um ihnen Kontakte zu Wirtschaftsführern zu vermitteln. Auch will die Organisation in diesem Sommer erfolgreiche Athleten auf eine Reise schicken, um sie für ihre Erfolge zu belohnen – die Sporthilfe macht damit dem Chef des Deutschen Volleyball-Bundes, Werner von Moltke, Konkurrenz, der seit Jahren solche Reisen organisiert. Auch die Sportpyramide, mit der Sportlegenden für ihr Lebenswerk geehrt werden, wurde als gesellschaftliches Ereignis etabliert. Bei jeder Gelegenheit warb Grüschow Sponsoren, knüpfte Verbindungen, baute Netzwerke.

Einer seiner Ansprechpartner war immer wieder Mohren. Ihn hatte er schon 1997 für Moderationsdienste verpflichtet. Damals war Grüschow noch Vorstandschef der Techem AG. Das Heiztechnik-Unternehmen versuchte, den ostdeutschen Markt zu erschließen, auch mit der Hilfe von Sportgrößen. Mohren erhielt in den folgenden Jahren etwa 100000 Euro, wie Techem-Sprecher Stefan Lutz bestätigt. Dass die von Mohren geleitete MDR-Sportredaktion noch sieben Jahre später ein eher unbedeutendes Hallenfußballturnier in Halle ins Programm rückte, das Techem sponserte, mag mit Grüschow nicht mehr in Zusammenhang zu bringen sein. Er war da längst aus der Firma Techem ausgeschieden. „Mit dem Turnier 2004 habe ich nichts zu tun“, sagte Grüschow unlängst dem Tagesspiegel. Nach der Durchsuchung wollte er sich nun nicht mehr äußern.

Fest steht: Grüschow hat auch in seiner Funktion als Sporthilfe-Chef, die er seit 1997 innehat, Mohren Geld zukommen lassen. Ende 2002 verpflichtete er ihn als so genannten Medienbotschafter. Dafür kassierte Mohren bislang 45000 Euro, die letzte Rate wurde Anfang dieses Jahres angewiesen. Grüschow verteidigte sich damit, er habe sich Mohrens Nebentätigkeit von MDR-Intendant Udo Reiter genehmigen lassen. Das ist richtig; doch in seinem Brief an die Anstalt stand nach Darstellung des MDR kein Wort über eine Bezahlung Mohrens. Es bleiben also Fragen an die Sporthilfe. Diese Fragen könnten auch Grüschows Renommee als Spitzenfunktionär des Sports beschädigen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben