Vor Cottbus-Spiel : Herthas Pantelic: "Ich bin fit und bereit, zu helfen"

Nach der Verletzung: Herthas Stürmer-Star Marko Pantelic ist wieder fit – ob er in Cottbus spielen darf, bleibt aber unklar.

Sven Goldmann
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Darf er spielen? Marko Pantelic will wieder für die Hertha ran. -Foto: dpa

Berlin - „Wenn du Fußball kennst, ist der Ball nicht das Problem.“ Das ist ein schöner Satz von philosophischer Tiefe, Marko Pantelic formuliert ihn langsam und bedächtig. Es folgt eine ausführliche Abhandlung über die Verzweiflung eines Fußballspielers, der nicht Fußball spielen darf. Vier schwere, frustrierende Wochen lang.

Am 31. Januar stand der serbische Torjäger in Diensten von Hertha BSC das letzte Mal in einem Bundesligaspiel auf dem Platz. Hertha siegte 2:1 gegen Eintracht Frankfurt, Pantelic schoss zwei Tore, aber die Frankfurter Verteidiger malträtierten Knöchel und Knie seines rechten Beins so hingabevoll, dass er nur noch an Krücken laufen konnte. Am Dienstag nun hat er zum ersten Mal wieder ein komplettes Training im Mannschaftskreis absolviert. „Ich bin fit und bereit, der Mannschaft zu helfen“, sagt Pantelic und beteuert, wie gern er am Samstag wieder stürmen würde, im schweren Auswärtsspiel bei Energie Cottbus.

Woronin hatte sich das Zusammenspiel mit Pantelic anders vorgestellt

Das Problem dabei ist nicht der Ball, es ist auch nicht das rechte Bein oder der Kopf. Das Problem ist, dass Trainer Lucien Favre im Augenblick keinen Platz hat für den erfolgreichsten Berliner Stürmer der vergangenen Jahre. Denn die vier Wochen im Februar mit ihren vier Spielen ohne Marko Pantelic, sie waren nicht die schlechtesten für Hertha. Die Berliner stürmten an die Tabellenspitze, Andrej Woronin schoss vier Tore und erfreute sich an der produktiven Zusammenarbeit mit seinem neuen Sturmpartner, dem Brasilianer Raffael. Dem „Kicker“ hat Woronin anvertraut, er habe sich das Zusammenspiel mit Pantelic anders vorgestellt, denn „mir fehlt dieser Stürmer-Egoismus. Ich versuche immer, den besser platzierten Mann in Szene zu setzen. Marko ist derjenige, der eher selbst den Abschluss sucht.“ Und Pal Dardai, als dienstältester Herthaner und nie aufsteckendes Kampfschwein eine moralische Instanz, führte als Begründung für den vom jüngsten 2:1-Sieg über Borussia Mönchengladbach gekrönten Siegeszug an, dass Hertha endlich einen Stürmer habe, „der Topspiele entscheidet“. Marko Pantelic hat er damit nicht gemeint.

Für Dardai, Raffael oder Woronin war das Spiel gegen Gladbach ein neuer Höhepunkt einer an Höhepunkten reichen Saison. Pantelic sagt, für ihn sei es der Höhepunkt eines vierwöchigen Martyriums gewesen. Er saß auf der Tribüne, die schwarze Pudelmütze tief ins Gesicht gezogen, und er zitterte mit seinen Kollegen, die da unten nach komfortabler 2:0-Führung noch ins Trudeln kamen. Am liebsten wäre er auf den Platz gelaufen, um das zu machen, was er am besten kann, den Ball ins Tor schießen. Pantelic hebt die Arme und verdreht die Augen. So schöne Konter und keiner da, der ein Tor daraus macht, kein Marko Pantelic.

Am Tag nach dem Sieg über die Gladbacher hat er mit den Reservisten trainiert. Er ist gelaufen, hat Tore geschossen und gemerkt, dass es wieder geht. Es muss auch langsam wieder gehen, denn Marko Pantelic läuft die Zeit davon. Zwölf Spiele bleiben ihm noch, sich für einen neuen Vertrag zu empfehlen. Er wird ihn wohl nicht bei Hertha unterzeichnen, damit hat Pantelic sich nach den schwer zu überbrückenden Differenzen mit Lucien Favre abgefunden.

Gegen Cottbus traf Pantelic nie

Die Auseinandersetzung mit dem Trainer hat dem Stürmer den Ruf eines egoistischen Exzentrikers eingebracht. Pantelic sagt, diese Charakterisierung werde ihm nicht gerecht, aber nichts ist so schwer zu korrigieren wie ein schlechtes Image. Dennoch betont er in letzter Zeit häufig das Wir, wo früher meist ein Ich stand. Auch vor dem Spiel in Cottbus, von dem er noch nicht weiß, ob er es aktiv gestalten oder passiv begleiten wird: „Cottbus ist nicht unser liebster Gegner, aber ich vertraue auf die Qualität unserer Mannschaft, wir spielen seit Wochen auf Topniveau.“

Für Marko Pantelic geht es im Stadion der Freundschaft auch um persönliches Prestige. 44 Tore hat er in 104 Bundesligaspielen geschossen, aber noch kein einziges gegen Energie Cottbus.

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