Sport : Vor dem Abpfiff

Schnelles Ende im Hoyzer-Prozess zeichnet sich ab

Sven Goldmann

Berlin - Von Robert Hoyzer ist bekannt, dass er gern und lange schläft. Am Dienstag kommt dazu noch das Taxi zu spät, die Schlange vor dem Kriminalgericht Moabit ist lang. Robert Hoyzer schafft es also nicht ganz pünktlich zum siebten Verhandlungstag im Prozess um manipulierte Fußballspiele. Mit zehnminütiger Verspätung betritt er den Verhandlungssaal, und das findet Gerti Kramer gar nicht komisch. „Das ist eine Unverschämtheit“, schimpft die Vorsitzende Richterin und bedeutet dem bestechlichen Schiedsrichter, „dass man ja mal darüber nachdenken kann, Ihren Haftbefehl wieder in Kraft zu setzen“. Hoyzer entschuldigt sich: „Das wird nicht wieder vorkommen.“

Womöglich muss der Angeklagte gar nicht mehr so oft früh aufstehen und sich auf den Weg in die Turmstraße machen. Das Verfahren gegen ihn und die Brüder Ante, Filip und Milan S., die auf von Hoyzer manipulierte Spiele gewettet haben sollen, steht vor dem Abschluss. Vielleicht wird die Beweisaufnahme schon in der kommenden Woche abgeschlossen. Das haben die vier den beiden anderen Angeklagten zu verdanken. Die Verfahren gegen den früheren Fußballspieler Steffen Karl und den ehemaligen Schiedsrichter Dominik Marks werden wohl abgetrennt. Anders als Hoyzer und die Brüder S., die alle Vorwürfe mehr oder weniger umfangreich eingestanden haben, bestreitet Karl jede Verwicklung in den Wettskandal. Marks hat sich noch gar nicht geäußert.

Steffen Karl überlässt seinem Anwalt Andreas Bartholomé das Wort und folgt der viertelstündigen Vorlesung ohne sichtbare Regung. Nie habe er Geld erhalten von Ante S. und keinesfalls zum Schaden seines Chemnitzer FC mit „angezogener Handbremse gespielt“, diese Passage verliest Bartholomé mit angewidertem Unterton, denn: „Solche Verhaltensweisen sind der Kämpfernatur Steffen Karl persönlichkeitsfremd.“ Ja, er habe mal mit Ante S. telefoniert und ihn in einem Chemnitzer Restaurant getroffen. Und der Anruf beim damaligen Cottbuser Torhüter Georg Koch, den er im Auftrag von Ante S. zur Manipulation überreden sollte – nun gut, den gebe er zu. „Aber ist daraus eine strafrechtliche Verurteilung herzuleiten?“, fragt Bartholomé in einer Verhandlungspause. Eine Abtrennung des Verfahrens sei im Interesse seines Mandanten. Er gehe von einem Freispruch aus.

Ob Dominik Marks ebenso optimistisch in die Zukunft schaut? Seine Anwältin Astrid Koch sagt nach Karls Aussage zur allgemeinen Überraschung und entgegen ihrer früheren Ankündigung: „Herr Marks wird sich heute noch nicht einlassen.“ Die Richterin reagiert ähnlich amüsiert wie bei Robert Hoyzers Verspätung. „Das Leben hält immer Überraschungen bereit“, sagt Gerti Kramer. Den Tritt vors Schienbein des Angeklagten überlässt sie Staatsanwalt Hans-Jürgen Fätkinheuer. Der fragt ganz beiläufig bei Ante S. nach, ob es denn noch weitere Geldflüsse in Richtung Dominik Marks gegeben habe. „Ja, am 27. Januar habe ich ihm 40 000 Euro für einen Anwalt gegeben.“ Dieses Detail ist neu, und der Staatsanwalt hätte wohl nicht danach gefragt, wenn Marks, wie angekündigt, geredet hätte. Das will er nun bei der Fortsetzung der Verhandlung am Donnerstag nachholen.

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