Vor dem Cottbus-Spiel : Lust auf Defensive

Hertha hat zuletzt offensiv begeistert, doch gegen Cottbus ist vor allem die Abwehr gefragt. Die bereitete Trainer Markus Babbel in der Rückrunde bisher Sorgen.

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Wir müssen reden. Mijatovic erklärt den Kollegen Hubnik und Lell (von rechts), wie man verteidigt.
Wir müssen reden. Mijatovic erklärt den Kollegen Hubnik und Lell (von rechts), wie man verteidigt.Foto: Boris Streubel

Man muss wohl davon ausgehen, dass Andre Mijatovic sich schon auf den Montag freut. Angst hat er jedenfalls nicht. Am Montag bekommt es der Innenverteidiger von Hertha BSC mit dem besten Sturmduo der Zweiten Liga zu tun. 21 Mal haben Nils Petersen und Emil Jula für den FC Energie Cottbus schon getroffen, also zu zweit exakt die Hälfte aller Saisontore erzielt. „Das ist ein richtig gutes Duo“, sagt Mijatovic, aber das macht die Aufgabe für ihn und seinen wieder genesenen Nebenmann Roman Hubnik nur interessanter. „Es macht Spaß, gegen die beste Offensive zu spielen.“

Wenn Hertha und Energie am Montagabend im Berliner Olympiastadion den 23. Spieltag beschließen, dann ist das auch das Treffen der offensivstärksten Mannschaften der Zweiten Liga: Beide haben je 42 Tore geschossen. Das Berlin-Brandenburg-Duell könnte also für die Zuschauer eine sehr muntere und durchaus spektakuläre Angelegenheit werden, zumal beide Teams in der Defensive ganz sicher nicht ihre Stärke verorten. Cottbus hat bereits 34 Gegentore hinnehmen müssen, Hertha auch schon 21. „Wir haben das einen Tick bessere Gleichgewicht“, sagt Trainer Markus Babbel. „Diese Balance müssen wir über 90 Minuten bewahren. Darin liegt der Schlüssel.“

Zuletzt war eher der Eindruck entstanden, dass Herthas neue Lust an der Offensive mit sechs Toren gegen den KSC in einer Halbzeit ein wenig zu Lasten der defensiven Stabilität ging: Im Zweifel ist der Tabellenführer der Zweiten Liga eben in der Lage, immer noch ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Derzeit ist das auch dringend geboten, denn in den fünf Spielen des Jahres 2011 sind die Berliner noch kein einziges Mal ohne Gegentor geblieben – und das, obwohl sich vier ihrer Rückrundengegner im letzten Drittel der Tabelle wiederfinden: Bielefeld, Karlsruhe, Oberhausen und Union. Insgesamt hat Babbels Mannschaft sogar schon sechs Mal hintereinander nicht mehr zu null gespielt. „Das ärgert mich sehr“, sagt Kapitän Mijatovic. Hertha hat in der Rückrunde nur ein Gegentor weniger kassiert (acht) als der Vorletzte Ingolstadt (neun) und sogar doppelt so viele wie Paderborn.

Selbst gegen die Abstiegskandidaten Bielefeld, Karlsruhe, Oberhausen und Union kassierte Hertha immer mindestens ein Gegentor

Markus Babbel hat das Problem erkannt: „Wir haben bisher zu viele Gegentore bekommen. Aber das heißt nicht, dass die Viererkette schlecht ist.“ Im modernen Fußball ist die Verteidigung längst kein Fall mehr für Spezialisten. Die Defensive fängt weit vorne an. Je mehr die Stürmer abräumen, desto leichter wird es hinten für die Abwehr. „Die ganze Mannschaft muss besser arbeiten“, sagt Babbel. Vor allem muss sie in den entscheidenden Momenten konzentrierter zu Werke gehen.

Wenn man die Angelegenheit en detail betrachtet, fällt nämlich auf, dass der Fehler weniger im System liegt, sondern eher auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. „Die Organisation passt auf jeden Fall“, sagt Mijatovic. „Aber wir müssen noch die Konzentration und die Kompaktheit über 90 Minuten verbessern.“ Auch Markus Babbel findet, dass Hertha es den Gegnern teilweise zu leicht gemacht hat. Gegen den Karlsruher SC und im Stadtderby gegen den 1. FC Union kassierte seine Mannschaft unter anderem drei Gegentore nach Standardsituationen.

Das ist nun wahrlich nicht auf mangelnde Organisation in der Defensive zurückzuführen. „Wir haben gut gestanden, aber ein bisschen unglückliche Gegentore kassiert“, sagt Mijatovic. „Wenn die Gegner gute Aktionen haben und das Tor perfekt herausspielen, dann kann man sagen: okay, Respekt.“ So aber muss man sich vor allem eins: ärgern.

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