Vor dem Hannover-Spiel : Herthas abhängige Variable

Hertha will am Samstag gegen Hannover endlich wieder einen Heimsieg landen. „Wir sind zu sehr abhängig von Adrian Ramos“, sagt Trainer Jos Luhukay. Womöglich beordert er sogar Ronny in die Startelf.

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Mit offenen Armen. Gegen Hannover könnte Ronny mal wieder in die Startformation rücken.
Mit offenen Armen. Gegen Hannover könnte Ronny mal wieder in die Startformation rücken.Foto: dpa

Beinahe wäre Jos Luhukay aus dem Anzug gestiegen, so sehr echauffierte er sich. Warum seine Mannschaft sich in den Heimspielen so schwer tue, war der Trainer von Hertha BSC gefragt worden. Das ist ja nicht nur den Zuschauern im Olympiastadion aufgefallen, die die Mannschaft zuletzt beim 0:0 gegen Freiburg förmlich vom Platz pfiffen, sondern auch Luhukay selbst. Offenbar ist auch der Niederländer genervt von den unübersehbaren Hemmungen, die seine Mannschaft im eigenen Stadion befallen. „Das ist ganz einfach zu erklären“, sagte Luhukay, der gleich noch mal lauter wurde: „Wir sind zu sehr abhängig von Adrian Ramos.“

Drei Heimspiele in Folge konnte Hertha nicht mehr gewinnen. Noch immer wartet Hertha auf den ersten Heimsieg des Jahres. Der soll nun am Samstag gegen Hannover 96 (15.30 Uhr/Sky) förmlich „erzwungen“ werden, wie es Luhukay ausdrückte. „Wir wollen wieder guten und erfolgreichen Fußball bieten, denn auch die Mannschaft braucht das Gefühl eines Sieges in einem Heimspiel.“

Denn anders als prognostiziert, wonach Hertha als Aufsteiger vor allem in den Heimspielen den Grundstein für einen Verbleib in der Liga legen sollte, sind es gerade die Auswärtsspiele, die eine Art Existenzabsicherung für die Berliner in Liga eins sind. Während Hertha neben Leverkusen immer noch die drittbeste Auswärtsmannschaft stellt, liegt dieselbe Mannschaft in der Heimtabelle nur auf Rang elf. Von daher verbietet es sich nach Auffassung von Luhukay auch, das Saisonziel Klassenerhalt nach oben hin abzuwandeln. „Ich denke, wir haben nicht den Kader, um bis am Ende um die Europa-League-Plätze mitspielen zu können“, sagte Luhukay. Zudem sei die Mannschaft derzeit durch Ausfälle geschwächt. Tolga Cigerci, Marcel Ndjeng, Fabian Lustenberger und Änis Ben-Hatira werden heute gegen Hannover fehlen. „Diese Spieler können wir momentan nicht eins zu eins ersetzen.“

Dennoch stehen die Chancen auf den ersten Heimsieg des Jahres gar nicht schlecht. Hannover 96 ist nämlich das auswärtsschwächste Team der Liga. Dazu bedarf es aber einer deutlichen Leistungssteigerung gegenüber den jüngsten Heimauftritten. Am besten, Hertha orientierte sich an sich selbst, an den Heimauftritten in der Vorrunde. Da wurde nicht jedes Spiel gewonnen, aber Hertha war fast immer die bessere und die spielbestimmende Mannschaft, die teilweise aufregenden Fußball bot, nur das Chancenplus nicht auszunutzen wusste.

In der Zwischenzeit ist es der Mannschaft immer schwerer gefallen, diese Art von Fußball, den offensiven, aggressiven und nach vorn gerichteten Fußball zu bieten. Geblieben ist die fehlende Effizienz im Torabschluss. „Unsere offensive Abteilung lässt zu viel aus, das ist ein Fakt“, sagt Luhukay. Das habe er in dieser Deutlichkeit auch der Mannschaft mitgeteilt. „Es muss von ihr mehr Torgefahr und mehr Effizienz im Abschluss kommen. Uns fehlt neben Adrian einer, der auch noch mal ein Tor erzielt.“

Jos Luhukay predigt das seinen Spielern ohne Unterlass. Vor allem braucht Hertha wieder jene Originalität und Emotionalität, die das Spiel des Aufsteigers in der Hinserie teilweise so auszeichnete und von vielen anderen abhob. Herthas Trainer weiß, warum er in seinem Drängen nach Besserung nicht nachlassen darf. Von den acht Mannschaften, die derzeit vor Hertha in der Tabelle stehen, müssen die Berliner noch gegen sechs spielen. Gerade gegen solche Mannschaften bekomme man für gewöhnlich nicht so viele Torchancen, daher müsse die Quote unbedingt besser werden.

Vielleicht gelingt das ja ausgerechnet einem, der zuletzt bestenfalls Mitläufer war. Aufgrund der zahlreichen Ausfälle könnte Ronny mal wieder einen Platz in der Startelf finden. „Das kann ich mir gut vorstellen“, sagt Luhukay. Viel wichtiger aber als das sei ihm „endlich ein Heimsieg“ im vierten Anlauf in diesem Jahr. „Damit könnten wir Druck auf die Mannschaften vor uns in der Tabelle ausüben und eventuell Anschluss zu den Europapokalplätzen herstellen.“

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