Vor dem Heimspiel gegen Aalen : Herthas Charakterspiel

Nach dem erfolgreichen Derby hat Hertha BSC heute die nächste Prüfung zu bestehen: Gegen Union war jeder von selbst motiviert, aber wie sieht es gegen den Aufsteiger VfR Aalen aus?

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Aufgepasst. Auch Neuzugang Sami Allagui musste sich zuletzt Kritik von Trainer Jos Luhukay gefallen lassen.
Aufgepasst. Auch Neuzugang Sami Allagui musste sich zuletzt Kritik von Trainer Jos Luhukay gefallen lassen.Foto: dpa

Am Freitag haben sie bei Hertha BSC mit dem freien Ticketverkauf für das Derby-Rückspiel gegen den 1. FC Union im Olympiastadion begonnen. Das Ding ist ein Selbstläufer, die Kurve der Hertha-Fans ist bereits ausverkauft. Da das Spiel erst im Februar über die Bühne gehen wird, darf vermutet werden, dass für den frühen Verkaufsstart gute Gründe vorliegen. Vermutlich kann der wirtschaftlich angeschlagene Bundesligaabsteiger ein bisschen frisches Geld ganz gut gebrauchen. Zudem kann damit auch das frische Hochgefühl durch den Hinspielsieg in Köpenick vor zwei Wochen ein wenig verlängert werden. Schlechte Laune gab es schließlich lange genug.

Fragt sich nur: Wie lange hält das neue Gefühl an? Diese Frage stellt sich jedenfalls Jos Luhukay. Ob der Derbysieg ein Befreiungsschlag gewesen ist, werde sich erst in ein paar Wochen zeigen, sagt Herthas Trainer. „Ich hoffe es.“ Nach Meinung des Niederländers ist das Derby ein Spiel für sich gewesen, ein Spiel „für die Selbstwertschätzung in der Stadt“, wie er es nennt, und für die Fans von Hertha. Doch trauen mag er dem Frieden noch nicht. Jedenfalls nicht, bevor seine Mannschaft am Sonntag im Heimspiel im Olympiastadion gegen den VfR Aalen (13 Uhr) eine entsprechende Leistung geboten hat. Allerdings muss Luhukay auf Peer Kluge und Änis Ben-Hatira verzichten, die wegen Trainingsrückstands noch nicht im Kader stehen.

Nicht das Derby, sondern das Duell mit Aalen ist der wahre Charaktertest für die runderneuerte Mannschaft von Hertha BSC. Das Spiel eins nach dem Sieg beim Stadtrivalen Union taugt wohl eher zum Wahrsager.

Es klingt vielen noch in den Ohren, was Jos Luhukay neulich seinen Spielern ins Gesicht sagte. „Zu viele meinen, dass sie groß sind und einen Namen haben. Diesen Status können sie in die Mülltonne werfen.“ Das war nach einer ziemlich enttäuschenden Niederlage beim FSV Frankfurt. Luhukay hatte damit sehr früh in der Saison ein heikles Thema angefasst, er hat eine Arroganz-Debatte angestoßen, vermutlich ganz bewusst. Nun, nach zwei darauffolgenden Siegen über Regensburg und eben Union scheint die Mannschaft in der Realität, der Zweiten Liga, angekommen zu sein. Für sein Team gelte es, sich „Respekt und Anerkennung“ immer wieder aufs Neue zu erspielen, mahnt Luhukay. Dafür sei jedes Heimspiel wichtig. Gerade gegen kleinere Gegner wie am Sonntag.

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