Vor dem Heimspielauftakt : Ein Wunder für Alba

Mit einer Filmstunde vor dem Heimspielauftakt gegen die Tigers Tübingen will Alba-Trainer Gordon Herbert aus seinen Spielern eine Mannschaft formen.

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Coach der kleinen Dinge. Gordon Herbert arbeitet akribisch – und kreativ.
Coach der kleinen Dinge. Gordon Herbert arbeitet akribisch – und kreativ.Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Jetzt, da die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, müsste sich ein Kanadier in Berlin eigentlich wie zu Hause fühlen. Dieser Kanadier nicht. „Kalt ist es geworden“, sagt Gordon Herbert, den es in kurzen Turnhosen selbst in der beheizten Basketball-Halle noch zu frösteln scheint. Dabei ist Finnland die zweite Heimat des Trainers von Alba Berlin, er besitzt beide Staatsbürgerschaften. „Ich habe aber auch lange in Griechenland gewohnt“ – so deutet der 52-Jährige an, dass ihm das südliche Klima eher zusagt.

Doch es ist nicht die Witterung, die Herbert vor Albas Heimspielauftakt in der Bundesliga heute gegen die Tigers Tübingen (17 Uhr, Arena am Ostbahnhof) zu schaffen macht. Es ist der schlechte Saisonstart seiner Mannschaft, mit einem Sieg und zwei Niederlagen. „Ich bin nicht glücklich damit, wo wir stehen“, sagt Herbert. „Wir sollten ein wenig weiter sein.“ Besonders die Niederlage zuletzt in Hagen, als alle Fortschritte, die Alba beim Sieg zuvor in Braunschweig gezeigt hatte, plötzlich unauffindbar waren, schmerzt.

Unerklärliche Leistungsschwankungen, Rebound- und Defensivschwächen, Aussetzer am Spielende – es sind keine neuen Probleme, mit denen sich Herbert herumschlägt. Sie begleiten Alba schon seit langer Zeit. Er ist im Sommer geholt worden, um all dem ein Ende zu setzen. „Es ist ein Prozess“, sagt Herbert.

Sein Ansatz beruht dabei auf zwei Dingen. Der eine ist konventionell, der andere experimentell. Was das Basketballerische angeht, ist Herbert ein Trainer der alten Schule. „Wir müssen uns auf die Gewohnheiten der Spieler konzentrieren“, sagt er. Was das heißt, lässt sich im Training beobachten: Immer wieder korrigiert Herbert die kleinen Dinge, vor allem in der Verteidigung. „Lass den Fuß auf dem Boden! Streck den Arm raus!“, ruft er den Centern und Power Forwards zu, wenn sie unter dem Korb trainieren. Herbert möchte, dass seine großen Spieler unter dem Brett so unnachgiebig sind wie die rechteckigen Schaumstoffplatten, mit denen er und seine Assistenten die Spieler vom Korb wegdrücken.

Der andere Ansatz betrifft nicht Arme oder Füße, sondern den Kopf. Herbert, diplomierter Sportpsychologe, ist hier ein Freund ungewöhnlicher Maßnahmen. So erfahren die Spieler erst einen Tag vorher, wann am nächsten Tag trainiert wird, das soll sie wachsam halten. Aktivitäten wie Hot Yoga sollten in der Saisonvorbereitung beim Teambuilding helfen.

Aber Herbert, der als Kanadier gerne Eishockey-Vergleiche heranzieht, setzt auch auf Hollywood. In dieser Woche zeigte er den Spielern in der Kabine den Film „Miracle“, zu Deutsch: Wunder. Der Film basiert auf der Geschichte der US-amerikanischen Eishockey-Mannschaft, die als Außenseiter 1980 gegen die Sowjetunion Olympia-Gold gewann. „Sie waren eine zusammengewürfelte Truppe, die erst verloren und sich dann zusammengerauft hat“, fasst Center Yassin Idbihi die Handlung zusammen. Ein Vorbild für eine Alba-Mannschaft, die weniger runderneuert ist als vergangene Saison, aber denen die langgedienten Führungsspieler wie Julius Jenkins und Immanuel McElroy fehlen, und die sich noch finden muss. Dass im Film die Strafrunden, die US-Trainer Herb Brooks seine Spieler sprinten lässt, „Herbies“ heißen, ist aber nur Zufall.

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