Vor dem Rückspiel gegen Inter : Keine Spur von Zerwürfnis beim FC Bayern

Über Inter Mailand will der FC Bayern die Champions League gewinnen – aber selbst in diesem Fall würde Louis van Gaal nicht Trainer der Münchner bleiben.

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Restlaufzeit. Louis van Gaal hat in seinen letzten Wochen als Bayern-Trainer noch viel vor, insbesondere in der Champions League. Foto: dapd
Restlaufzeit. Louis van Gaal hat in seinen letzten Wochen als Bayern-Trainer noch viel vor, insbesondere in der Champions League.Foto: dapd

Was wird Louis van Gaal eigentlich machen, wenn im Mai die Zeit beim FC Bayern zu Ende gegangen sein wird? Ein paar Wochen sind es noch, der holländische Fußballlehrer will ein Jahr Pause einlegen, aber auch diese Zeit will ja irgendwie gefüllt werden, und am Montag hat er schon mal geprobt. Um kurz nach halb vier, im Pressesaal der Münchner Arena. Weitgehend unbemerkt hat er Platz genommen in der letzten Reihe, und als sein Stürmer Mario Gomez gerade aufbrechen will, verlangt van Gaal nach dem Mikrofon: „Mario, in welcher Minute werden Sie morgen ein Tor machen?“ – „Trainer, in welcher Minute wünschen Sie?“ – „Ach, wenn das einfach wäre …“ – „Ja, das verstehen die meisten leider nicht.“

Van Gaal lacht, Gomez lacht zurück, und haften bleibt der Eindruck: Wenn es denn beim FC Bayern ein Zerwürfnis gibt zwischen Mannschaft und Trainer, dann tarnen es beide Seiten sehr geschickt.

Für die Münchner steht am Dienstag (20.45 Uhr, live im Ticker bei Tagesspiegel.de) ein sehr wichtiges und schwieriges Spiel an. Im Achtelfinalrückspiel der Champions League gegen Inter Mailand will ein 1:0-Hinspielsieg verteidigt werden. Mario Gomez hält das für schwierig, weil Inter über genug Qualität verfüge, das eine oder andere Tor zu schießen, womit er jedoch keineswegs die gute Ausgangsposition seiner Mannschaft klein reden wolle. Mario Gomez hat vor zwei Wochen in San Siro kurz vor Schluss das Tor geschossen, an das der FC Bayern seine Hoffnung auf einen harmonischen und erfolgreichen Ausklang dieser zuletzt sehr unharmonischen und, für Münchner Verhältnisse, sehr erfolglosen Saison knüpft. Nach diesem Tor ist ihm nicht mehr viel gelungen. Kein Tor im Pokal gegen Schalke, kein Tor in der Bundesliga gegen Hannover und Dortmund – am Ende standen drei Münchner Niederlagen in acht Tagen, sie waren entscheidend für die zum Saisonende verkündete Trennung zwischen Klub und Trainer.

Auch am Samstag, beim 6:0 über den Hamburger SV, traf der erfolgreichste Torjäger der Bundesliga nur den Pfosten und sonst wohin. Auf Platz vier mit zwei Punkten Rückstand auf Hannover sieht die Welt für die Bayern dennoch schon sehr viel schöner aus. Aber wer will damit schon zufrieden sein? Eher schon mit dem Gewinn der Champions League. „Wenn wir dann auch noch in der Bundesliga Zweiter werden – also ich wüsste nicht, warum das dann keine erfolgreiche Saison sein sollte“, sagt Gomez.

Für den Stürmer ist der FC Barcelona der ganz große Favorit, „aber danach kommt eine ganz Reihe von Mannschaften, zu denen gehören auch wir. Und um die Champions League zu gewinnen, brauchst du nicht nur Klasse, sondern auch ein bisschen Glück.“ Ein Sieg über Inter wäre ein erster, vielleicht schon der entscheidende Schritt. „Dann hätten wir den Europameister geschlagen“, sagt Louis van Gaal und verheißt für diesen Fall „einen Feiertag“. Schon werden Stimmen laut nach einem Trennungs-Moratorium für den Fall, dass die Bayern es unter van Gaal ins Finale von Wembley schaffen sollten und es dort ein bisschen besser machen als im vergangenen Finale von Madrid gegen Inter. Franz Beckenbauer, wer sonst, hat darüber schon laut und in großen Buchstaben nachgedacht.

Van Gaal verzieht das Gesicht. Muss er denn immer wieder dieselbe Geschichte erzählen? Also gut, zum letzten Mal: „Der FC Bayern ist ein großartiger Klub, wahrscheinlich der am besten organisierte auf der ganzen Welt. Das ist eine Umgebung, in der jeder Trainer gerne arbeitet, und wenn die Zusammenarbeit mit der Mannschaft so hervorragend klappt, dann ist es natürlich traurig, wenn man diese Arbeit nicht mehr fortsetzen kann.“ Aber er habe ja seinen Namen nicht aus Jux unter die Vereinbarung mit dem Vorstand gesetzt, „wir haben andere Vorstellungen über die Philosophie“, und daran würde auch ein Sieg in der Champions League nichts ändern.

So viel zur Bleibe-Debatte im Allgemeinen. Was nun im Besonderen Beckenbauers freundlich-naiven Vorstoß betrifft – da lacht van Gaal wieder sein berühmtes van-Gaal-Lachen und gibt eine der berühmten van-Gaal-Antworten: „Ich bin sehr froh, dass Franz so etwas gesagt“, und keineswegs stehe es ihm zu, „einer Bayern-Ikone zu widersprechen“. Aber wenn er richtig informiert sei, „dann ist Franz nicht mehr so beschäftigt mit der Organisation“. Eine nette Umschreibung dafür, dass Franz Beckenbauer beim FC Bayern nichts mehr zu sagen hat.

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