Vor dem Spitzenspiel gegen Manchester United : FC Valencia: Billig, aber gut

Der FC Valencia musste vor der Saison seine besten Spieler verkaufen und hat trotzdem Erfolg. Am Mittwoch spielt das Team in der Champions League gegen Manchester United.

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Roberto Soldado ist mit Valencia Tabellenführer in Spanien.
Roberto Soldado ist mit Valencia Tabellenführer in Spanien.Foto: AFP

Die Engländer werden ihm wieder seine Bar leer trinken, das weiß Manuel Cáceres aus Erfahrung. Deshalb sorgt er heute vor und hat extra nochmal einen Vorrat an Bier bestellt für die Fans aus Manchester. Diese werden heute in Massen durch Valencia ziehen, am Abend kommt es im Rahmen der Champions League zum Spiel FC Valencia gegen Manchester United.

Es ist das Spitzenspiel der bisherigen Europapokal-Saison. Valencia, der Tabellenführer der spanischen Primera Division, trifft auf Englands Topteam Manchester United. Beide Ligen gelten als die stärksten der Welt, Vergleiche zwischen ihren Vertretern als sportlich besonders brisant. Spanien wird in den Duellen meistens von Real Madrid und dem FC Barcelona vertreten. Die beiden größten Klubs des Landes spielen die Meisterschaft seit Jahren unter sich aus. Das könnte sich in dieser Saison ändern. Nicht Barça, nicht Real, sondern der FC Valencia führt nach fünf Spieltagen die Tabelle in Spanien an.

„Das ist eine große Überraschung, wir alle sind unglaublich glücklich“, sagt Cáceres. Der 61-Jährige betreibt gegenüber dem Mestalla-Stadion in Valencias Mitte eine kleine Bar, die in Spanien jeder kennt. Genau wie sie Cáceres selbst kennen. Hinter dem 61-Jährigen verbirgt sich nämlich „Manolo“, „El del bombo“ – der mit der Trommel.

Manolo gehört zu den bekanntesten Fußballfans überhaupt, mit der spanischen Nationalmannschaft und dem FC Valencia hat er die ganze Welt bereist. Seit vielen Jahren gehört seine Liebe auf Klubebene dem FC Valencia, doch mit einem Saisonstart wie diesem hätte selbst er nicht gerechnet. Wie auch? Im Sommer musste sich der hoch verschuldete Klub von seinen besten Spielern trennen. Kapitän Carlos Marchena (zu Villarreal), David Silva (Manchester City) und Publikumsliebling David Villa (FC Barcelona) wurden für ungefähr 90 Millionen verkauft, im Gegenzug kamen nur international unbekannte Spieler wie Roberto Soldado, Mehmet Topal oder der Ex-Wolfsburger Ricardo Costa nach Valencia.

Am Ende hatte der FC Valencia ein Transferplus von circa 56 Millionen Euro erwirtschaftet, doch der Substanzverlust schien groß, der dritte Platz aus der Vorsaison nicht wiederholbar. Vielmehr hofften Klub und Anhänger „auf einen Platz unter den ersten sieben – wenn alles gut läuft“, sagt Manolo. Nun läuft es sogar so gut, dass sie in der drittgrößten Stadt Spaniens wieder zu träumen beginnen. „Die ganze Welt erwartet, dass Real oder Barcelona am Ende wieder vorn sind, aber wer weiß, vielleicht können wir für eine Überraschung sorgen“, sagt Manolo. So wie 2002 und 2004, als der FC Valencia ohne große Stars, aber mit einer eingeschworenen Mannschaft die Meisterschaft vor den großen Favoriten aus Madrid und Barcelona gewinnen konnte.

Vom Meisterteam sind nur David Albelda und der jetzige Kapitän David Navarro geblieben. Der einzige Star im Team ist aber ein anderer: Dribbelkönig Juan Mata. Der 22-Jährige holte mit der Nationalmannschaft in Südafrika den Weltmeistertitel und gilt als eines der größten Mittelfeldtalente Spaniens. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch Mata Valencia verlassen wird, so wie es bisher alle getan haben. Wie hierzulande Werder Bremen entwickelt Valencia immer wieder neue Talente, diese verbringen ihren Karrierehöhepunkt dann aber lieber woanders.

Manolo weiß das, aber für ihn zählt nur das Hier und Jetzt und das heißt heute Manchester United. „Ich glaube, dass am Ende beide Mannschaften weiterkommen“, sagt er. Die anderen Gegner Bursaspor und Glasgow Rangers schätzt er nicht so stark ein. Die Rangers sind in fünf Wochen zu Gast in Valencia. Gastronom Manolo freut sich schon auf die Schotten. Die trinken auch gern Bier.

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