Sport : Vor dem Sturm im Horner Moor

Das 137. Deutsche Derby hat zwei Favoriten – aber meist gibt es Überraschungen

Ingo Wolff

Berlin - Es gibt wenige Galopprennen, in denen Überraschungen wahrscheinlicher sind als im Derby. Das weiß kaum einer so gut wie der aktuell erfolgreichste deutsche Galopptrainer Peter Schiergen. Schon einige Male hatte er einen der Favoriten am Start, und dann stand doch wieder ein Pferd von Andreas Schütz mit dem Blauen Band um den Hals im Siegerzirkel. Nur 2001 konnte er mit Boreal gewinnen. Und diesmal? Diesmal muss es einfach gelingen. Schütz ist als Trainer inzwischen in Hongkong, und so balgt sich die Zunft um dessen Nachfolge. Schiergen ist zuversichtlich, dass es zum zweiten Derbysieg als Trainer reichen kann. Immerhin stellt er mit Lauro und Schiaparelli die Favoriten für das heutige 137. Deutsche Derby in Hamburg.

Rund 900 dreijährige Galopper stehen derzeit in den deutschen Rennställen, die besten 15 werden um 17.20 Uhr um den wichtigsten Sieg ihres Lebens laufen. Auch Schiergen, der als Jockey selbst von Sieg zu Sieg geeilt ist und den Europarekord mit 271 Siegen in einem Jahr hält, steht vor dem wichtigsten Rennen seines Lebens. Denn vor wenigen Tagen musste er einen erheblichen Rückschlag für seinen Kölner Rennstall hinnehmen. Das erfolgsverwöhnte Gestüt Schlenderhan der Familie von Ullmann zieht seine Pferde zum Jahresende aus Schiergens Trainingsquartier ab. Sie werden in die neue Trainingsanlage des Gestüts in Bergheim gebracht. Nachschub an einjährigem Nachwuchs, den Schiergen in Siegerpferde verwandeln könnte, gibt es nicht.

Damit geht eine lange Erfolgsgeschichte zu Ende. Als Jockey ist Schiergen zehn Jahre für das Gestüt mit der Asternblüte auf dem Trikot geritten, dann hat er neun Jahre das Gestüt zum erfolgreichsten Züchter in Deutschland gemacht. Mit einem Derbysieg könnte er sich ein wenig über den Verlust hinwegtrösten und sich schon mal für neue Besitzer interessant machen. Für Schiergen ist daher der Derbysieg vergleichbar mit dem Championat. In der Rangliste liegt Schiergen derzeit vor Mario Hofer, und auch voriges Jahr war er Nummer eins.

Das Lachen ist Schiergen jedenfalls nicht vergangen. Nach der Form befragt, antwortet der Trainer: „Das Derby kann kommen, die Pferde haben gut geschlafen.“ Noch ist der Sieg aber nicht ausgemacht. Sowohl der Hengst Saddex von Trainer Peter Rau als auch der von Hans-Albert Blume trainierte Aspectus werden das Derby spannend machen.

Es gibt jedoch eine Kleinigkeit, die für Schiergen spricht. Schiaperelli ist der Bruder von Samum. Und der hat das eher gediegene Horner Moor vor sechs Jahren zum Erbeben gebracht. Der Hengst lief in einem sensationellen Rennen allen Gegnern davon. So schnell, dass Rennbahnkommentator Manfred Chapman in sein Mikrofon schrie: „Eine Explosion, eine Explosion.“ Kurz darauf legte Chapman in Baden-Baden nach: „Noch ist es ein Wind, gleich ist es ein Sturm, jetzt ist es ein Orkan und nun ein Tornado.“ Er hat es mit diesen Aussprüchen nicht nur bei Stefan Raab, sondern auch in Galoppkreisen zum Kultstatus gebracht. Vielleicht löst Samums kleiner Bruder ebenfalls mehr als ein laues Lüftchen aus.

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