Vor dem Umzug : Eine stumpfe Liebe

Die Eisbären trainieren erstmals in der O2-World.

Katrin Schulze

Berlin - Die gute Laune war dahin. Als Don Jackson am Dienstagabend mit grimmiger Miene vom Eis stapfte, wollte er nur noch eines loswerden. Er suchte Manager Peter John Lee. „Wir müssen uns über das Eis unterhalten“, sagte der Trainer der Eisbären. Dabei sollte die offiziell als „Test in Form von Training“ ausgeschriebene erste Übungseinheit der Berliner in der neuen Großarena am Ostbahnhof doch eher Vorfreude als Missmut wecken – Vorfreude auf eine neue Saison in einer Riesenarena mit schmucken blauen Sitzen und mächtigem Videowürfel.

Auch Jackson schwärmte vor dem ersten Training noch von der „wunderschönen“ Arena, die so modern sei wie keine andere in Europa. Seine Spieler alberten herum und amüsierten sich über die zuvor abgehaltene Eishockey-Begegnung einer Journalistenauswahl. Doch nachdem sie ihre Körper selbst geschunden hatten, war den Eisbären-Profis die Lockerheit abhanden gekommen. Das Eis sei zu stumpf und zu warm, beschwerten sich einige. Es würde Rillen hinterlassen. Außerdem gebe die Bande kaum nach, was bei einem harten Check schon mal kritisch sein könnte. Die Eisbären und ihre neue Heimspielstätte – das schien keine Liebe auf den ersten Blick zu sein. „Aber das wird schon noch“, sagt Stürmer André Rankel. Denn bis zum ersten Heimspiel gegen Augsburg am 14. September bleibt noch Zeit, um an der Qualität des glatten Untergrunds zu arbeiten. Viele Gelegenheiten, das Eis zu testen, werden die Berliner bis dahin jedoch nicht haben. Das Team von Don Jackson trainiert nämlich weiterhin in Hohenschönhausen statt in Friedrichshain-Kreuzberg. Wird die erste Partie der Eisbären in der eigenen Halle somit zum gefühlten Auswärtsspiel? André Rankel glaubt das nicht.

Sein Trainer ist da skeptischer. „Natürlich würden wir gerne öfter hier trainieren“, sagt Jackson. „Aber ich glaube nicht, dass das passieren wird, weil uns jede Eiszeit in der Halle Geld kostet.“ Das ist erstaunlich, sind doch Hallen- und Klub-Eigner identisch. Und nicht nur das: Die Anschutz Entertainment Group hat auch Präferenzen bezüglich der Hallenbelegung. Weil Witali Klitschko am 11. Oktober boxen wird, verschob der Halleneigner kurzerhand zwei schon terminierte Spiele der Eisbären, was beim gegnerischen Anhang für Irritation sorgt – Düsseldorfer Fans hatten schon einen Sonderzug für das Sonntagsspiel bestellt. Das sie den jetzt auf den 18. November, einen Dienstag, umbuchen, ist kaum vorstellbar. Das Spiel gegen Iserlohn, das am Abend vor dem Boxkampf stattfinden sollte, können die Anhänger nun erst im Februar 2009 bestaunen – auch an einem bei Zuschauern eher wenig populären Dienstag.

Die Nachteile einer Multifunktionsarena – die Eisbären bekommen sie schon vor dem Saisonstart der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu spüren. Trotzdem ist die Vorfreude der Fans auf die neue Arena ungebrochen: Das erste Heimspiel ist mit 14 000 abgesetzten Tickets fast ausverkauft. Und davor spielen die Berliner ja ohnehin nur auswärts. Am Sonnabend im Pokal in Crimmitschau, am Sonntag in Leipzig und zum DEL-Start am 4. September in Köln – darauf bereiten sie sich dann wieder in Hohenschönhausen vor.

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