Vor der Frauen-WM : Nur nicht hoch gewinnen im letzten Test

Im letzten Testspiel am Donnerstag gegen Norwegen täte der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft ein knappes Spiel gut. Es wäre vor der WM im eigenen Land nicht nur für den Druck von außen gut.

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Kopfsache. Inka Grings (rechts, beobachtet von Fatmire Bajramaj) kämpft mit ihren Mannschaftskolleginnen gegen das Klischee des einfachen Titels. Foto: dpa
Kopfsache. Inka Grings (rechts, beobachtet von Fatmire Bajramaj) kämpft mit ihren Mannschaftskolleginnen gegen das Klischee des...Foto: dpa

Inzwischen klingt es schon fast wie ein Mantra. Egal, welche Spielerin der deutschen Nationalmannschaft man fragt, eine wie die andere betont wieder und wieder: Der WM-Titel wird kein Spaziergang. „Das Niveau ist besser als vor vier Jahren“, sagt auch Bundestrainerin Silvia Neid jedem, der es hören möchte. Ist das nur das übliche Taktieren vor der in zehn Tagen beginnenden Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland? Oder ist die Weltspitze im Frauenfußball in den vergangenen vier Jahren tatsächlich enger zusammengerückt? Am Donnerstagabend wird man der Antwort auf diese Fragen ein großes Stück näherkommen: Im letzten Testspiel vor der WM trifft das deutsche Team in Mainz auf Norwegen (20.30 Uhr, live im ZDF). Und kann froh sein, wenn kein allzu hoher Sieg dabei herauskommt.

Bis jetzt nämlich lief alles ein wenig zu glatt für den zweimaligen Weltmeister, um die These vom ausgeglichenen Niveau glaubhaft zu untermauern. Als die Mannschaft von Silvia Neid Ende November 8:0 gegen Nigeria gewann, war das wieder einmal keine gute Werbung für den Frauenfußball. Kurz zuvor waren die Nigerianerinnen Afrikameister geworden und als deutscher Gruppengegner für die WM einer der Hoffnungsträger für eine spannende Vorrunde. Mit dem 8:0 waren sie wieder da, die Ängste vor der großen Langeweile. Deshalb reden die deutschen Frauen bis heute das Ergebnis klein. „Nigeria wird bei der WM ganz anders auftreten“, prophezeit Angreiferin Inka Grings. Und Torfrau Nadine Angerer sagt: „Die waren müde von ihrem Cup und haben gefroren. Und als das 2:0 und das 3:0 fiel, hatten die auch keinen Bock mehr.“

Doch all der Beteuerungen zum Trotz wird der Durchmarsch der Deutschen zum dritten Titel in Folge beinahe erwartet. Zumal in der Vorbereitung der vergangenen Wochen ungefährdete Siege gegen Nordkorea (2:0), Italien und die Niederlande (jeweils 5:0) folgten. Die 32-jährige Inka Grings allerdings stört das nicht. „Ich persönlich empfinde das als positiven Druck. Wir wissen ja, dass es nicht einfach wird.“ Denn, so die These, die anderen Länder haben sich vor allem in Sachen intensive Vorbereitung über mehrere Monate einiges von Deutschland abgeschaut. „Wir machen das schon lange, die anderen haben es früher nicht gemacht. Deswegen sind wir ja auch immer Weltmeister geworden“, sagt Neid lachend.

Das aber habe sich nun grundsätzlich geändert. „Australien bereitet sich seit Februar vor, Kanada hat in diesem Jahr schon acht Länderspiele gemacht. Die USA und Schweden auch. Es wird nicht mehr so einfach.“ So richtig ernst nehmen wird das allerdings niemand, solange die deutsche Mannschaft ihre Gegner wie zuletzt dominiert. Nur zwei Mal hat sie im vergangenen Jahr überhaupt verloren, beide Male gegen die USA. Deswegen kommen die Norwegerinnen als Härtetest vor der WM genau zum richtigen Zeitpunkt.

Anders als Italien und die Niederlande, die sich für die WM nicht qualifiziert haben und nach 70 Minuten gegen die austrainierte deutsche Mannschaft sichtlich kaputt waren, befindet sich auch Norwegen auf dem Höhepunkt der Vorbereitung. „Mit Norwegen muss man immer rechnen“, sagt Angerer. Die 32-Jährige zählt die Skandinavierinnen auch zu den Favoritinnen auf den WM-Sieg, neben den USA, Brasilien, Schweden und Japan. „Das sind keine Phrasen, um den Druck von uns zu nehmen“, sagt sie. Auch Silvia Neid rechnet mit mindestens fünf Teams, die den Titel holen können.

Und nicht nur für den Druck von außen wäre ein Patzer im letzten Spiel vor der WM vielleicht wohltuend. Es könnte auch ein gutes Omen sein. Denn schon 2007 bestritt die deutsche Mannschaft ihr letztes Testspiel vor der WM gegen Norwegen. Es endete 2:2. Danach wurde Deutschland ohne ein Gegentor Weltmeister.

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